Wolfgang Honold denkt nach. Diesmal über Glaubensgemeinschaften. Ein verflixt heisses Eisen. Oder ein „Igel mit giftigen Stacheln“

Religionen - Bild v. Matthew Fearnley bei Flickr.com CC BY 2.0

Wolfgang Honold denkt nach. Diesmal über Glaubensgemeinschaften. Ein verflixt heißes Eisen. Oder ein „Igel mit giftigen Stacheln“…

Wolfgang Honold – 29. August 2019

Erste Frage: Braucht es die überhaupt? Ich bin mir bewusst, bei dieser für viele Menschen „unverschämt“ klingenden Frage steigt denen jetzt gleich mal das Blut mit Hochdruck in den Kopf. Trotzdem! Ich philosophiere weiter. Für mich braucht es die überhaupt nicht. Ich kann ganz alleine für mich an einen Gott oder an keinen solchen glauben. Nicht weitersagen: Ich glaube schon lange an keinen solchen mehr. Damit bin ich leider bei vielen Leuten ein „böser Atheist“, ein unberechenbares Individuum, dass man möglichst meiden muss, und dem man im Stillen keinen Glauben schenken kann. Man weiss nur was er nicht glaubt. ABER WAS GLAUBT ER?

Tatsächlich sind die meisten Atheisten über Einzelheiten und Begründungen ihres Nicht-Glaubens sehr wortkarg. Viele fürchten den Ärger, den sie bekommen könnten, wenn sie sich damit „outen“! Obwohl diese „zu meidenden“ Individuen – wie ich gelesen oder gehört habe – in Deutschland schon über 35% der Bevölkerung ausmachen. Bei uns in der Schweiz, wo ich lebe und schon lange Bürger geworden bin, dürfte es prozentual ähnlich aussehen. Draußen, in großen Teilen dieser Welt, sieht es jedoch immer noch anders aus. In vielen davon ist es so, wie es bei uns vor Jahrhunderten aussah. Da verbrannten Atheisten lebendig auf dem Scheiterhaufen. Und die vielen herumstehenden Gläubigen fanden das gut so. Wieso nicht? War ja „gottgewollt“, wie einem von früh auf „eingebläut“ wurde.

In vielen Ländern dieser Erde – und ich kenne seit vielen Jahren mit meiner damaligen Geschäftstätigkeit – jeweils auch von „vor Ort“ – sehr viele davon – ist eine solche Vorsicht äußerst ratsam, wenn einem sein Leben was wert ist. Bei uns in Europa sind diese Zeiten seit mehr als Jahrzehnten vorbei. Auf dem Scheiterhaufen verbrennt bei uns kein Atheist mehr. Wir müssen allerdings mit Hilfe unserer Justizorgane darauf achten, dass dies so bleibt. Die bei uns verfassungsmäßig mit vernünftigen Einschränkungen gewährte freie Zugehörigkeit zu EINER oder auch zu KEINER Religion muss als zivilisatorisch und kulturell TEURES GUT angesehen und von allen Menschen im Lande wachsam behütet bleiben. Verfehlungen gehören SOFORT vor den Kadi!

Was ist aber nun mit den vielen Menschen – auch bei uns – , die so eine Glaubensgemeinschaft brauchen? Was für Gründe haben sie? Ich – als Außenstehender – kann mir gedanklich nur folgenden Vers darauf machen und versuchen dafür Verständnis aufzubringen: Einfach an keinen Gott – also an einfach NIX – zu glauben macht ihnen Angst. Dabei fühlen sie sich verloren, unbehütet, ungeliebt – und was weiss ich noch alles! Wenn sie also an eine von einem großen achtbaren Religionslehrer vorgegebene Gottheit glauben, der es als Gottes Vertreter auf Erden ja schließlich „wissen muss“, dann sind sie dieses Problem los. Ein „Vordenker, der einem das Nachdenken erspart“! Großartig! Dafür ist man – in besagten Gemeinschaften – auch duldsam bereit, einen in mannigfacher Weise hohen Preis zu zahlen. Man fügt sich vielen vermeintlich „gottgewollten“ Weisungen, Auflagen, Ge- und Verboten, die vielfach sogar auf unverschämte Weise bis in den Intimbereich hineingreifen. Selbst wenn ich alle aus dem Stegreif heraus aufsagen könnte, würde ich sie nicht hier aufzählen wollen. Es sind einfach zu viele. Aber sie betreffen – obzwar in jeweils verschiedener Ausprägung – praktisch alle Religionen. Um nur mal 2 der harmloseren davon zu nennen: Die Christen sollen freitags kein Fleisch essen. Die Mohamedaner sollen an keinem Tage der Woche, des Monats oder des Jahres Schweinefleisch verzehren. Und da es ja sehr viele Mitmenschen sind, die da gehorsam mitmachen – ob ganz oder halb oder gar nicht überzeugt, wollen wir mal den Einzelfall betreffend dahingestellt sein lassen – muss der einzelne Gläubige zu dem Schluss kommen, dass „sich so viele Menschen doch nicht irren können“! Landläufig – und in anderem Zusammenhang – spricht man von „dummen“ Schafen. In christlichen Religionen tut man das nicht. Hier spricht man von „braven Schäflein“ (damit sind die Gläubigen gemeint), die einen hütenden und behütenden „Kustos“ (hier spricht man nicht von Schäfer. Das würde ja wohl kaum verfangen!) benötigen. Dieser Kustos benennt sich selber auch als „Seelsorger“, was einem Schäfer ja wohl niemals in den Sinn kommen würde. So! Und jetzt mal weiter überlegen: Haben wir damit das Thema allumfassend und bis in die Tiefe hinein behandelt? Bei weitem nicht. Wir haben damit allenfalls an der Oberfläche des Eisberges gekratzt.

Wir haben bis jetzt und bis hier noch kein Sterbenswörtchen zu den hiermit verbundenen geschäftlichen Möglichkeiten und Gelegenheit verloren, an denen hinwiederum ebenfalls viele Menschen zum Teil sogar existenziell teilhaben. Glaubensgemeinschaften, d.h. also Religionen, verlangen nicht nur Geld. Sie bringen indirekt auch Geld. Manchen Leuten sogar sehr viel Geld. VON ATHEISTEN, DIE VORWIEGEND OHNE SCHÜTZENDE GLAUBENSGEMEINSCHAFT AUF SICH SELBST GESTELLT IN DER LANDSCHAFT STEHEN, KANN MAN SELBIGES NICHT BEHAUPTEN. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt. Bei letzteren gibt es keinen Grund für Weihnachten. Für die Herstellung von Weihnachtsgeschenken arbeiten zig Branchen monatelang schon ab Jahresbeginn. Wallfahrtsorte wie Lourdes in Frankreich oder Fatima in Portugal oder viele andere auch in anderen Ländern würden ihre Existenz total verlieren. Ich möchte auch hier mit Aufzählungen nicht fortfahren. Das würde ja ein ganzes Buch füllen. Kann denn ein nicht herzloser Atheist von einer Braut verlangen, dass sie auf eine kirchliche Trauung verzichten soll, wo sie doch der Welt ihr hübsches sündhaft teures Brautkleid zeigen kann. Das und noch viel mehr sind doch alles zivilisatorische Kulturgüter geworden, von denen man sich nicht trennen mag. WAS SOLL MAN DENN AN DEREN STELLE SETZEN ?

Ehrlich gesagt, ich weiss es auch nicht. Und darum will ich jetzt meine „selbst gestrickten“ philosophischen Gedanken in eine gesunde Nachtruhe mitnehmen.

Jerusalem – „Al Quds“ Stadt der Religionen – Bild von Dan Brickley, Flickr.com CC SA 2.0
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1 Kommentar

  1. Religionen sind Erklärungen (Menschen gemachte …) für Jene die nicht selbst denken können (wollen)!!!
    Und gewaltige Geldmaschinen zum Wohle der Vordenker!!!

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