Wolfgang Honold denkt nach: Diesmal über das abgedroschene Thema Liebe & Hass

Sonnenaufgang - wenn Licht und Schatten, Lieben und Hassen sich überlappen, sich nicht erfassen - Amanhecer - Bild von Rui Filipe Gutschmidt ©

Hierbei möchte ich als Autor betonen, dass alles was diesbezüglich aus meinen Gedanken an dieser Stelle Mitmenschen zugänglich gemacht wird, auf meiner ureigenen – und ergo mir alleine gehörenden – Meinung fußt.

Wolfgang Honold – 18. August 2019

Beide Begriffe wurden in Jahrtausenden bis anhin von Menschen in einer Weise – oder vielen davon – dermaßen schändlich missbraucht, dass man sich wundern muss, dass sie heute überhaupt noch existieren. Will man bei der Objektivität bleiben – und das will der Autor immer – dann muss man sagen, dass die Wörter Liebe wie Hass, wenn sie für sich alleine – getrennt oder zusammen – „unbegleitet“ in der Landschaft stehen, einfach keinen Sinn ergeben. Da stellen sich einem doch die Fragen: Was ist das? Wohin damit? Was soll man damit anfangen?

Um hierauf wenigstens einigermaßen befriedigend antworten zu können, darf man sie ganz simpel einfach nur als Beschreibungen, bzw. eher Bezeichnungen, eines Körper- und/oder Gemütszustandes bei Mensch, Tier und sogar Pflanzen ansehen. Hier höre ich im Stillen schon die ersten Proteste vonseiten von Fachleuten naturwissenschaftlicher oder „geistlicher“ Ausrichtung, welche hierfür Aussagenhoheit ohne Widerrede für sich beanspruchen. Ein Psychiater mag zu anderen Schlüssen kommen. Sorry, ich bin keiner. Ein Pfarrer kommt mit Sicherheit zu anderen Schlüssen, da sie ihm vorgegeben sind. Ich bin kein Pfarrer und will keiner sein. Mein Vater, der Theologie studiert hatte, wollte es auch nicht und wurde es auch nicht.

Wenn wir diesen Begriffen also einen Sinn einhauchen wollen, dann müssen wir ihnen jeweils „Dinge“ zuordnen, auf die sie sich beziehen. Diese „Dinge“ sind jedoch dermaßen mannigfaltig und zahlreich, dass sie sich hier nicht auflisten lassen. Das müsste auf „Endlosformular“ geschehen. Das haben wir hier nicht. Begnügen wir uns also mit Beispielen. Zum Beispiel: Der idiotische Spruch, bei dem jedoch jeder sofort weiss, was gemeint ist „Liebe geht durch den Magen“. Das tut sie ja nun wirklich nicht, aber es ergibt selbst für Leute, die mit Abstraktionen „auf Kriegsfuß stehen“, einen Sinn. Et voilà! Eher prosaisch ausgedrückt gibt es Liebe – sowie Hass – von Mensch zu Mensch, von Mensch zu Tier, von Tier zu Mensch, von Mensch zur Natur, aber nicht umgekehrt. Von Pflanze zu Pflanze, wie seit kurzem Wissenschaftler aufgedeckt haben. Ich denke dabei an von Baum zu Baum vermittels deren unterirdisch unglaublich weit verzweigten und miteinander vernetzten Wurzeln. Ob Liebe auch von Pflanze zu Mensch und/oder Tier besteht, weiss man noch nicht. Es ist auch nicht sicher, ob man es jemals wissen wird. Eher begründet vorstellbar ist, dass Hass von Pflanze zu Mensch und zu Tier besteht. So, das war – soweit so gut – der linguistische und philosophische Teil. Jetzt also ab „in medias res“! Auf Deutsch: Kommen wir zur Sache!

Und dabei geht es darum, dass wir uns zunächst den Ursachen des Entstehens solcher Körper- und/oder Gemütszustände zuwenden. Und schon allein darob können wir – wie man so schön sagt – „Zustände“ kriegen! Beide Begriffe stehen jeweils mehr oder weniger in Abhängigkeit von z.B: Ererbten Genen (diese Variante sieht die heutige Wissenschaft eher als weniger gewichtig vertreten), vorwiegend und grundsätzlich jedoch von der Tatsache, dass „jeder und jede DAS ist, was im weitesten Sinne DINGE, die seit erstem bis zum letzten Atemzug um sie herum sind, aus ihnen gemacht haben und machen werden. Sporadisch und heute leider vermehrt kommen starke diesbezügliche Einflussfaktoren hinzu wie legale und illegale Drogen und Medikamente. Diese können in Abhängigkeit von Menge und Häufigkeit der Einnahme für „Liebe“ total zerstörerisch, für Hass hingegen förderlich sein. Sinngemäß das gleiche trifft zu für weitere Süchte wie Spielsucht, Kaufsucht, Sado-Maso-Sucht, Satanismus, und – die schlimmste von allen: Pädophilie – ,Herrschsucht, „Unterwürfigkeitssucht“ (gibt’s diesen Begriff überhaupt? Wenn nicht, müsste er „analog Gott“ erfunden werden).

So, nun darf man mit Recht fragen, was ist denn los mit „einfach sozusagen reiner“ unverfälschter natürlicher – d.h. durch unbewussten Drang auf Vermehrung der Spezies – hervorgerufenen Liebe, wie man sie landläufig kennt oder zu kennen glaubt? Was soll damit los sein? Die gibt es selbstverständlich auch. Und immer noch vorwiegend, würde ich sagen. Aber von Mensch, Tier und Pflanze von grossen Unterschieden, zumal auch kulturell und geographisch regional gesehen. Diese Grundform der Liebe besteht mit Abstand im Vordergrund zwischen Mann und Frau, Hirsch und Hirschkuh, Elch und (wie heisst seine Frau?) usw., und in weitaus geringerer Zahl zwischen Mann und Mann und mit eher unbekannten Zahlen in der Statistik zwischen Frau und Frau. Leider besteht selbige unverständlicherweise auch in ausgesprochen seltenen bekannten Fällen zwischen Mensch, d.h. Mann oder Frau, und Tier. Soweit mir bekannt ist, jedoch nicht umgekehrt. Das hätte uns „gerade noch gefehlt“!

Auch bei der Liebe muss man zwischen Qualität und Quantität unterscheiden. Liebe zwischen Mann und Frau – so schön die auch immer „gefühlt“ sein kann – ist nicht gleich zu setzen mit Liebe zwischen Mutter und Kind, Vater und Kind, und Kind zu Mutter und Vater. Eine solche Liebe vergeht für den Betroffenen oder die Betroffene erst mit dem Tod. Widerspruch dazu wäre abwegig. Diese Liebe kann nicht immer nur Freude bringen. Existenzangst, Kummer und Leid bis hin zur Verzweiflung können die Freude trüben, aber wirklich nur sehr selten ganz zerstören. ES IST DIE NACHHALTIG STÄRKSTE UND SOLIDESTE FORM VON LIEBE ! Hierbei stimmt Qualität und Quantität gleichermaßen, wenn auch manche meinen, dass dem nicht so sei. So sehe ich das jedenfalls!

Bei den anderen Liebesformen spielen – komprimiert gesagt – hinsichtlich dieser Kriterien folgende grundsätzliche Dinge eine Hauptrolle: Ein „zu wenig“ ist schlecht. Ein „unbedingt ausreichend“ ist gut. Ein „zuviel“ ist mega-schlecht und kann Suchtgefahr in sich bergen oder gar in Hass umschlagen. Auch für den Betroffenen oder die Betroffene tödlich durch Mord (man denke an Eifersucht) oder Selbstmord (man denke an Verlust des Verstandes) enden. Das erinnert mich an ein altes französisches Chanson, das ich in den 60ern des vergangenen Jahrhunderts – als auch ich noch jung, hübsch, munter und optimistisch war – , das im Original so lautete: „Maladie d’amour, maladie de la jeunesse“ und von Henri Salvador gesungen wurde. Hätte er’s auf Deutsch gesungen, hätte es so gelautet: „Liebeskrankheit ist eine Krankheit der Jugend“. Was Henri Salvador nicht gesungen hat: Selbige vergeht spätestens im Alter wieder. Schwacher Trost, denn dafür kommen andere an deren Stelle! Einige davon durchaus tödlich. Leider auch frühzeitig. Aber das ist ein anderes Thema.

So, jetzt müssen wir zum Schluss aber auch noch den vermeintlichen „Feind“ der Liebe dran nehmen, d.h. den HASS. Landläufiger Glaube scheint zu sein, dass letzterer als Gegenpol zu Liebe dasteht. Kann man so sehen. Muss man aber nicht. Ich, z.B. tue es nicht. Und dabei stütze ich mich auf meine jahrelangen weltweit gemachten Beobachtungen, und sonst gar nichts!

Natürlich kann aus tatsächlichem oder manchmal aus individuell nur gefühltem Mangel an Liebe Hass entstehen. Wer das nicht weiss ist nicht von dieser Welt.

Ich sehe das potentielle Entstehen von vor allem GEFÄHRLICHEM Hass in absolut erster Linie in dem Begriff „GLEICHGÜLTIGKEIT“. Wenn Menschen andere Menschen und/oder Tiere gleichgültig sind, haben letztere in der Regel nichts Gutes zu erwarten. Wird diese Gleichgültigkeit von politischen oder religiösen „Scharfmachern“ im Menschen emotional aufgeheizt, kann sie verheerende Ausmasse und Ausgeburten an bestialischen Handlungen hervorrufen. Hier herrscht das alte römische Prinzip des „divide et impera“, d.h. teile und herrsche! Und das heißt „als modus operandi“ im Klartext: Spalte die Gesellschaft in loyale gefügige Freunde und böse Feinde, die man – rassistisch und gesellschaftspolitisch opportun gesehen – als MINDERWERTIGE oder gar WERTLOSE Menschen ansehen, bekämpfen und womöglich AUSROTTEN muss. Alles schon dagewesen, wie man weiss! Und sich leider auch wiederholen kann, wie keiner anscheinend wissen will.

Abschließend möchte ich hier mal so sagen: Stellt man Auseinandersetzungen mit Mitmenschen die hier angeführten Überlegungen voraus, sollte man eine bessere Chance bekommen, zu gegenseitigem Einvernehmen zu gelangen. Es ist jedenfalls immer ein Versuch wert. Allein solche gründlichen Überlegungen können den Umgang von Menschen untereinander und mit der Natur zumindest erleichtern. „Bonne chance“!

Allein solche gründlichen Überlegungen können den Umgang von Menschen untereinander und mit der Natur zumindest erleichtern.

 

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