Über Eltern, die sich bei ihrem Dienst im KZ kennen gelernt haben

"KZ Sachsenhausen, Häftlinge bei Zählappell ADN-ZB Konzentrationslager Sachsenhausen Im Juli 1936 errichteten die Faschisten nördlich von Oranienburg das berüchtigte Konzentrationslager Sachsenhausen, das mit seinen über 50 Außenlagern besonders während des II. Weltkrieges die Rüstungsbetriebe Norddeutschlands mit billigsten Arbeitssklaven versorgte. UBz: die zum Zählappell auf dem Lagerplatz angetretenen Häftlinge." Bild: Bundesarchiv, Bild 183-78612-0003 / CC-BY-SA 3.0

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Einige von denen, die Teil der NS-Vernichtungsmaschinerie gewesen sind, habe ich, ohne es zu wissen, kennengelernt – ich denke an die Eltern meiner früheren Frau Marie. Deren Credo war: „Nicht alles ist so schlecht gewesen, wie es heute dargestellt wird!“

Volkskorrespondent Heinz Michael Vilsmeier – 29. Oktober 2019

Nach dem Tod der Eltern fand Marie in deren Nachlass Dienstausweise, die sowohl den Vater, wie auch die Mutter als Mitglieder des Bewachungspersonals im KZ Sachsenhausen auswiesen… Sie fand das Foto eines Paares, sitzend auf einer Veranda, im Hintergrund ein Wachturm, ein Stacheldrahtzaun, beide in Uniform, die Frau einen Säugling haltend im Arm, der Mann von hinten über sie gebeugt, beide lächelnd. Das Kind muss die erste Tochter gewesen sein, die etwa 10 Jahre älter war, als Marie.

Die Eltern hatten ihre Unterlagen gut aufbewahrt. Vielleicht dachten sie, die Dokumente könnten eines Tages noch einmal nützlich werden… Vielleicht hofften sie gar, bis zu ihrem Tod, auf den „Endsieg“… – Wer weiß… Ja, so waren sie, die überzeugten Nazis von damals. Sicherlich sind die Nazis von heute nicht grundsätzlich anders. Faschisten sind weder fähig zur Einsicht in das Verbrecherische ihres Tuns, noch zur Reue. Es macht keinen Sinn mit ihnen, hoffend auf einen Sinneswandel, zu diskutieren.

Das Geheimnis ihrer Jugend haben Maries Eltern mit in ihr Grab genommen. Keine der Töchter hatte zu Lebzeiten von ihrer Vergangenheit erfahren. Und posthum wollte Maries ältere Schwester nichts davon wissen. Zu quälend war die ungeheuerliche Erkenntnis, nicht gewusst zu haben, wer ihre Eltern gewesen sind und was sie getan haben.

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3 Kommentare

  1. Es faellt leicht die Urteile aus unserer Zeit zu sprechen aber wir koennen die damalige
    Wirklichkeit nur erahnen . Die Menschen ware keine Helden obwohl man es von ihnen verlangte, damals die Nazis und heute die Nachkommen derer die geschwiegen haben
    Es ist doch schon fast unmoeglich fuer uns, den Zeitgeist unserer Kindheit der 60iger Jahre zu verstehen , der von Schuld und Vergebung aber nur ganz selten von Anklage gepraegt war .
    Keiner beschreibt , wie die Ueberlebenden , die Nachkommen und die Elteren der Opfer sich in der fruehen Bundesrepublick verbiegen mussten um nicht als Landesverraeter beschimpft zu werden . Bis in die 70iger wurden die wahren Opfer als Taeter bezichtigt und die bundesdeutsche Justitz hat sich an ihnen schuldig gemacht wie auch die Politiker die die Unrechtsurteile des Volksgerichtshofes erst im Jahre 2006 aufhob , lange, lange nach dem Tod meiner Grosseltern die ihren als kommunistischen Aufwiegler im Jahre 1944 aufgehaengten Sohn zeitlebens nur im Stillen beweinen durften

    • Stimmt schon. Eine Diskussion darüber wer MEHR Opfer wurde und wer am meisten gelitten hat ist aber unsinnig. Wichtiger ist es zu sehen, WARUM eine AfD 1/4 der Stimmen im Osten bekommen kann.

      • Darum geht es nicht, jeder hat gelitten ,in seiner Zeit, manche zu Recht viele zu Unrecht .
        Wir alle sind jedoch dem Zeitgeist unserer Gegenwart ausgeliefert und jene die sich bei den Nazis diesem Ungeist wiedersetzten riskierten ihr Leben , wer von uns will behaupten dass er anders gehandelt haette als wegschauen ?

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