Türkisch-Kurdistan: Kurdenhass auch im Fußballsport

Agressivität bei einem Spiel zwischen einer türkischen Mannschaft und dem kurdischen verein »Amed SK«. Bild: Facebook-Video screenshoot.

Kurzfilm zeigt Repressionen gegenüber dem kurdischen Fussball-Klub Amedspor

Der kurdische Fußballverein Amed SK aus Diyarbakır kämpft täglich gegen Vorurteile, Hass und Bevormundung durch aufgehetzte türkische Fußballfans, dem staatlichen Fußballverband und türkischen Behörden. Das Fanmagazin »Kurvennews« berichtete kürzlich über diese Repressalien und zeigen auch ein Video des AmericanRebel-Lesers Kilic Botan. »Kurvennews« schrieb:

Fiete Jensen – 24. Juni 2019
zur Verfügung gestellt von AmericanRebel

„Politisch betrachtet ist die Türkei mit all ihren kulturellen Facetten tief gespalten. Zwischen Türken und Kurden schwelt seit Jahrzehnten ein tiefer Streit, der nicht nur nach wie vor in den Köpfen vieler Menschen stattfindet, sondern auch zwischen militanten Gruppen und staatlichen Einheiten ausgefechtet wird. Mit Amedspor aus der anatolischen Provinzhauptstadt Diyarbakır spielt ein kurdischer Verein seit fünf Jahren in der dritten türkischen Liga und erlebt aufgrund seiner Herkunft und dem Image als Widerstandsverein viel Kritik. Diese ging in den vergangenen Jahren sogar so weit, dass Kritik in puren Hass von Seiten türkischer Nationalisten und in Repressionswellen durch den türkischen Staat bzw. Fußballverband umgeschlagen ist. Die Fans von Amed SK (so der offizielle Name von Amedspor) wissen sich dagegen zu wehren und bleiben ihrem Verein treu – wissen zugleich aber auch um die große Gefahr von Auswärtsspielen, weshalb diese nur noch vereinzelt bzw. gar nicht mehr angetreten werden. Doch nicht nur auf die Fans wirkt sich der Hass von gegnerischen Klubs aus – auch die Spieler von Amedspor rücken in das Fadenkreuz von gegnerischen Fans sowie Vereinen und nicht zuletzt auch in das Fadenkreuz des türkischen Fußballverbandes. So protestierte die Mannschaft von Amedspor mit diversen kleinen, friedlichen Aktionen gegen die Ablehnung ihres Vereins, der weniger dem Sportklub selbst gilt, sondern vielmehr sinnbildlich für einen anhaltenden Konflikt zwischen Türken und Kurden steht.

Ein Kurzfilm zeigt nun den Hass, der den Anhängern und Spielern von Amedspor aus der südosttürkischen Stadt Diyarbakır Spieltag für Spieltag in der dritten türkischen Liga entgegen schlägt. Eine wesentliche Rolle spielt dabei auch die Repressionen von türkischen Staatsbediensteten, die Fans von Amedspor regelmäßig zu gängeln und in ihrer Freiheit einzuschränken wissen. Auch Deniz Naki* ist in den Video von »Amedspor Support« zu sehen, der sich für eine Selbstbestimmung der Kurden in der Türkei stark macht und unter anderem wegen seiner politischen Haltung für mehrere Spiele gesperrt wurde. In der Nähe von seinem Geburtstort Düren in Nordrhein-Westfalen soll der deutsch-türkische Fußballspieler mit kurdischer Abstammung außerdem in seinem Wagen sitzend angeschossen worden sein und veröffentlichte nach dem Angriff Fotos von seinem Auto, in dem diverse Einschusslöcher zu sehen waren. In Deutschland bekannt ist Naki vor allem durch seine Zeit beim FC St. Pauli. Deren Ultras sind und waren es auch, die sich für den Stürmer stark machten und sich mehrfach solidarisch mit Amedspor zeigten.

Ein interessantes Buch über die Hintergründe von Amedspor liefert außerdem das Buch »Direniş – Fußball im Ausnahmezustand« aus der Feder Nürnberger Ultras, die mehrmals nach Diyarbakır reisten und authentische Einblicke in das Leben von Amedspor-Fans und die Spiele des Vereins erhielten. Zu kaufen gibt es das Buch bei den Kollegen vom NOFB-Shop.“

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* = Anmerkung der Redaktion: Deniz Naki hat zwischzeitlich eine lebenslange Sperre vom türkischen Fußballverband bekommen. Vielleicht sollte man noch das dazu erwähnen.

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Dabei muss es sich nicht grundsätzlich um die Meinung der Redaktion handeln.

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