Trump zurück im Weißen Haus – The Show must go on

Donald Trump deixa a clinica - Screenshot YouTube

Rui Filipe Gutschmidt – 8. Oktober 2020

Rui Filipe Gutschmidt

Präsident Donald Trump, der in Bezug auf die Coronavirus-Pandemie immer dessen Gefährlichkeit in Frage gestellt hat und nun selbst infiziert ist, war auf Anraten seiner Ärzte „aus Vorsicht in ein Militärkrankenhaus eingewiesen“ worden, nachdem er positiv auf COVID-19 getestet wurde. Doch schnell hatte Donald Trump wohl genug vom Krankenhaus und beschloss mal eben die Isolierstation zu verlassen. Wie immer inszenierte der 45. Präsident der USA dies als Wahlkampfpropaganda.

Am Montagabend verließ Trump nach nur drei Nächten die Walter-Reed-Militärklinik in Bethesda, Maryland nahe der Hauptstadt Washington. Typisch für den Showmaster Trump, inszenierte der „amerikanische Patient“ seine Heimkehr wie einen „Triumphmarsch“.

Beim verlassen des Krankenhauses winkte der US-Präsident den wartenden Reportern zu und ging zur Limousine, die ihn anschließend zum Hubschrauber „Mariene One“ brachte.

Trump, der zu diesem Zeitpunkt seine Maske trug, ignorierte Fragen von Journalisten wie die, nach der Anzahl der infizierten Mitarbeiter im Weißen Haus oder die, ob er ein „Superspreader“ sei.

Einige unerschütterliche Fans hatten sich vor dem Krankenhaus versammelt. Viele von ihnen waren nach eigenen Angaben schon den dritten Tag in Folge vor Ort, um ihrem Präsidenten ihre Unterstützung zu bekunden. Während der Hubschrauber abhob, um den Präsidenten ins Weiße Haus zurückzubringen, jubelten sie ihm zu und riefen „four more years“ (vier weitere Jahre). Einmal mehr eine perfekte Show für die Massen.

Mit dem Wahlkampf im vollem Gang, schlug die Nachricht von der Infektion Trumps ein wie eine Bombe. Der Präsident lag in den Umfragewerten weit hinter Joe Biden und sein Auftritt bei der ersten TV-Debatte war ein Desaster. Doch Trump, dessen Anhänger sich gerne mal selbst widersprechen, wenn sie Verschwörungstheorien zusammenbasteln, hat die ganze Story genutzt, um seine Wiederwahl, die nach all den vielen Polemiken in seiner Amtszeit mehr wie fraglich wurde, doch noch garantieren zu können.

In seinem letzten Tweet im Krankenhaus lobt er seine Regierung und benutzt dabei wie üblich die Worte „großartig“, „wirklich“ und „wirklich großartig“.

I will be leaving the great Walter Reed Medical Center today at 6:30 P.M. Feeling really good! Don’t be afraid of Covid. Don’t let it dominate your life. We have developed, under the Trump Administration, some really great drugs & knowledge. I feel better than I did 20 years ago!

Ich werde heute um 18:30 Uhr das großartige Walter Reed Medical Center verlassen. Ich fühle mich wirklich gut! Hab keine Angst vor Covid. Lasst es nicht euer Leben dominieren. Wir haben unter der Trump-Administration einige wirklich großartige Medikamente und Kenntnisse entwickelt. Ich fühle mich besser als vor 20 Jahren!“

Es ist die Sprache eines Verführers, eines Lügners, eines Mannes ohne Charakter. Seine Minderwertigkeitskomplexe kompensiert Trump sprachlich durch aufwertende Adjektive und mit medienwirksame Auftritten wie die in den letzten Tagen, die aus seiner Amtszeit eine Art Realityshow machen.

Daher wundert es mich auch nicht, dass viele Leute an eine Inszenierung glauben. Trump „wäre gar nicht infiziert“, sagen die einen, oder er würde „der Welt beweisen, wie gut die neuen Medikamente inzwischen sind“, meinen seine Fans. Eine Inszenierung war es auf jeden Fall und Trump zieht seine Ein-Mann-Show auch weiterhin durch.

The show must go on!“

Die Wahlkampagne, die Joe Biden teilweise unterbrochen hat und bei der Trumps Herausforderer aus Rücksicht gegenüber dem mutmaßlich erkrankten Präsidenten, alle offensiven Wahlplakate und Videos stoppen ließ, ist von Anfang an irgendwie surreal. Eigentlich macht der Präsident seit über vier Jahren schon Wahlkampagne. Denn Trump fühlt sich nur wohl, wenn eine Kamera auf ihn gerichtet ist.

Der egozentrische Narzisst könnte sogar Erfolg damit haben, wenn er in der nächsten Zeit weiter die Mitleidstour aufrecht erhält und dem amerikanischen Publikum eine gute Show „präsidentiert“. Man fragt sich, wer eigentlich gerade das Land regiert, wenn der Präsident seine Auftritte plant und schließlich live vorträgt. Die Welt rätzelt und grübelt derzeit und dabei hoffen viele auf eine Abwahl des „mächtigsten Mannes der Welt“ (eingebildet sind die Amerikaner ja gar nicht… oder?), dabei ist eigentlich nur eine Frage wichtig: Wie intelligent ist das Wahlvolk der USA?

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