Talkshows zu rechten Demos – Schweigen bei Unteilbar

Unteilbar – Foto: www.unteilbar.de

40.000 Menschen haben gestern in Dresden gegen Rassismus, rechte Hetze und Diskriminierung demonstriert. Es war die größte Demo seit längerer Zeit in Sachsen, doch die mediale Aufmerksamkeit bleibt beschränkt. Ein Problem, das rechte Demos und Aufmärsche nicht haben.

Julius Jamal – 25. August 2019
zur Verfügung gestellt von
AmericanRebel

Als vor etwas mehr als einem Jahr ein paar Tausend Rechte durch Chemnitz zogen und unverhohlen ihren Hass auf Migrantinnen, Migranten, Geflüchtete und Linke rausschrien. Gab es Talkshows und Dokumentationen im Öffentlich-Rechtlichem. Als Pegida in Dresden noch Erfolge feierte, gab es dutzende Debatte in öffentlichen und privaten Sendern. Tages- und Wochenzeitungen widmeten ihnen Leitartikel und fragten, ob man zulange die Ängste der Besorgten ignoriert habe. Das an fast jedem Montag mehr Menschen deutschlandweit gegen Pegida auf die Straße gingen, als bei den rechten Demos in Deutschland, wurde damals schon kaum thematisiert. Ähnlich wird es sich mit Unteilbar in den kommenden Tagen und Wochen verhalten, keine Talkshows, ab Montag keine Artikel mehr in den großen Zeitungen und Sondersendungen schon gar nicht. Dabei sind die Mobilisierungen gegen rechts, gegen Rassismus immer deutlich größer als alles was die Rechten auf die Beine stellen.

Deutlich wird das bei einem Blick auf ARD und ZDF. Dazu schrieben wir vor einem Jahr: „Zwischen Oktober 2015 und März 2017 fanden 204 Sendungen der wichtigsten medialen Talkshows (Maischberger, Anne Will, Hart aber fair, Jauch, Maybrit Illner) statt. 52 der 204 Sendungen beschäftigten sich mit Flüchtlingen, häufig dominierte in den Sendungen selbst ein negativer Ton, der von den rechten und rechtskonservativen Talkshowgästen gesetzt wurde. Der häufig von Rechten zusammen genannte Themenkomplex Flüchtlinge, Islam, Terror/IS, Populismus/Extremismus war sogar für fast jede zweite Talkshow tonangebend. Dagegen wurde der komplette Themenbereich Armut und Ungleichheit nur in 6 Sendungen behandelt. Steuerhinterziehung durch die Reichsten, ein Thema, welches im Angesicht von Panama und Paradise Papers in den letzten zwei Jahren eigentlich auf der Tagesordnung stehen müsste, kam dagegen in weniger als 3 Sendungen vor, dasselbe gilt für den Bildungsbereich. Die Themen NSU, Rassismus und rechte Gewalt waren dagegen sogar nur einmal Thema, obwohl es alleine im vergangenen Jahr mehr als 1000 Angriffe auf Flüchtlingsheime gab.“

Doch die deutschen Medien haben ein Darstellungsproblem, sie widmen der vermeintlich schweigenden rechten Mehrheit deutlich mehr Platz, als progressiven Demonstrationen, dabei geht es nicht ausschließlich um Demonstrationen gegen Rechts, sondern auch um Demonstrationen gegen Mieterhöhungen und Gentrifizierung oder für Geflüchtete, Frauenrechte und ein freies Internet. Sie alle finden sich in ein oder zwei kurzen Artikeln, die Zahlen werden genannt und vielleicht noch berichtet, welche Politiker anwesend waren und welche nicht. Größere Aufmerksamkeit wird ihnen nicht zu teil.

Dabei stellen sie den Großteil der Proteste dar, den verschwiegenen Großteil, denn jeder Naziprotest erzeugt mehr Aufmerksamkeit als die progressiven Anliegen. Jede AfD-Kundgebung mehr Debatte als Demos für Geflüchtete. Würde sich dies ändern und endlich auch verstärkt fortschrittlichen Anliegen ein Raum gegeben in Talkshows und Artikeln, die Debatten sähe anders aus.
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Erstveröffentlichung in „Die Freiheitsliebe“ am 24. August 2018. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers und des Autors.
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Über den Autor: Julius Jamal hat 2009 aus dem Wunsch, einen Ort zu schaffen, wo es keine Grenzen gibt zwischen Menschen, den Blog „Die Freiheitsliebe“ gegründet. Einen Ort an dem man sich mitteilen kann, unabhängig von Religion, Herkunft, sexuelle Orientierung und Geschlecht. Freiheit bedeutet immer die Freiheit von Ausbeutung. Als Autor dieser Webseite streitet er für eine Gesellschaft, in der nicht mehr die Mehrheit der Menschen das Umsetzen muss, was nur dem Wohlstand einiger Weniger dient.

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Dabei muss es sich nicht grundsätzlich um die Meinung der Redaktion handeln.

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