Reformation und Rebellion

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Volkskorrespondent Martin Emko – 31. Oktober 2020

Martin Emko

Vor 495 Jahren, am 27. Mai 1525, wurde der in Frankenhausen kriegsgefangene Pastor und Bauernführer Thomas Müntzer von den Söldnern des Adels ermordet. Sein heute, anläßlich des Reformationstages gefeierter Widersacher Martin Luther war ein Verräter am Volk, der die Revolution verdammte, die Judenpogrome anheizte und die Ideologie der deutschen Faschisten mit ermöglichte.

Rebell Thomas Müntzer
(www.zersetzer.com |||| ||| freie grafik)

„Ein Säulenheiliger der protestantischen Kirche, er war alles andere als ein Vorbild. Martin Luther (1483-1546) gilt als Begründer der deutschen Reformation. Mit seinen 95 Thesen, die dieser 1517 angeblich an die Stadtkirche zu Wittenberg genagelt haben soll, protestierte er gegen den kirchlichen Ablasshandel und löste damit eine breite Volksbewegung aus, welche die frühbürgerliche Revolution einleitete. Luthers Thesen wurden bald überall in Deutschland bekannt. Später jedoch, im Bauernkrieg, verurteilte er das revolutionäre Vorgehen der Aufständischen aufs Schärfste. Seine 1522 erschienene „Treue Vermahnung zu allen Christen, sich zu hüten vor Aufruhr und Empörung“ hat ihre demagogische Wirkung sogar bis heute nicht verfehlt“, schreibt Sascha in seinem Blog am 20. November 2013.

Und weiter: „Sie zeigt Luther als einen ‚Gegner der Gewalt, die die Unterdrückten anwenden, um mit den Unterdrückern fertig zu werden‘, zugleich aber als einen ‚Anhänger der Gewalt, welche die Unterdrücker anwenden, um die Unterdrückten niederzuhalten oder niederzuwerfen‘ (Alfred Meusel). Sein Einfluss auf die deutsche Schriftsprache ist bedeutend. Und so wird Luther heute als deutscher Nationalheld verehrt. Doch man muss gelesen haben, welche Ansichten er vertrat. Seine Äußerungen sind oft derart menschenverachtend und zynisch, dass man ihn ohne weiteres als geistigen Wegbereiter des deutschen Faschismus bezeichnen kann. Und nicht selten haben sich die Nazis auch auf ihn berufen.“

Kampflied der Bauern

Tausend Haufen sind wir jetzt und schleifen unsre Sensen,
schmieden sie zu Spießen um, die in der Sonne glänzen,
tragen sie zum Bischofssitz und zum Herrenhaus,
dort bricht der Abend heute an und das Zittern aus.
Wir lassen rosten unsern Pflug, lassen den Acker sein,
wir bringen heuer noch genug und andre Ernte ein.
Der Wind hat sich gedreht, die Bauernfahne weht.
Ihr habt den Sturm gesät, der euch jetzt niedermäht
Tausend Haufen sind wir jetzt und haben genug gelitten,
Wir fordern jetzt was uns gehört und müssen nicht mehr bitten,
wir fordern jetzt was uns gehört und müssen nicht mehr bitten.

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Lest dazu auch:

Handreichung zum Pogrom, Junge Welt, 11. Juli 2016

– Gegen den Luther-Kult

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1 Kommentar

  1. An die Martin-Luther-Feinde

    Luthers Hetze gegen Bevölkerungsgruppen, z. B. gegen Juden, war oft nichts als enttäuschte Liebe – übrigens sogar der typische Grund für seine barbarischen Ausfälle.

    Sich seiner heimlichen Zuneigung zu diesen Gruppen zu erinnern, kann den Umbenennungs-Fanatikern helfen, ihre eigene Verwandlung in rasenden Strassenpöbel zu verhindern. Hinrichtungseifer ist die Folge mangelnder Bildung.

    Denn wie sagte Martin Luther z. B. über die Juden:

    »Die Juden trinken aus den Quellen, die Griechen aus dem Ablauf und die Römer oder Lateiner aus den Pfützen.«

    Das Leben erzeugt eben in vielen Köpfen eine erst am Ende ungenießbare ideologische Pastete.

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