Portugal öffnet sich langsam wieder – Grenzen zu Spanien weiter geschlossen

Rui Filipe Gutschmidt – 10. Mai 2020

Rui Filipe Gutschmidt

In aller Welt gibt es Menschen die von den COVID-19 Einschränkungen betroffen sind. Neben den Auswirkungen auf die Arbeitsplätze, Schulen, finanzielle Einbußen oder die Bewegungsfreiheit allgemein, sind für manche Menschen vor allem die geschlossen Grenzen ein Problem. So auch im Grenzgebiet zwischen Portugal und Spanien, wo viele auf eine Öffnung der Grenzübergänge warten. Aber das wird noch eine Weile dauern.

Spanier und Portugiesen verbindet eine jahrhundertelange Gemeinsame Geschichte. Bei aller Rivalität, trotz Kriegen und Konflikten, bezeichnen sich die beiden Völker als Brüder (nuestros hermanos). Im Grenzgebiet wird das besonders deutlich, da enge Beziehungen zwischen den Bewohnern dieser Regionen bestehen.

Doch die Erwartungen der Menschen im Grenzgebiet erhielten jetzt einen Dämpfer. Spaniens Regierung hat den Ausnahmezustand bis zum 24. Mai verlängert. Auch wenn die Zahlen – und, nicht vergessen, wir reden hier von Menschen, Menschen wie du und ich – rückläufig sind, will die Regierung von Pedro Sanches (PSOE) keinen Wiederanstieg der Neuinfektionen und Todesfälle riskieren.

Denn obwohl die 685 Neuinfizierten und 244 Toten am Vortag der Entscheidung die niedrigsten Werte seit März sind, ist Spanien noch lange nicht über den Berg. So wurden nur kleine Lockerungen beschlossen, wie kurze Spaziergänge für Kinder, und das ganze Land hofft auf weiterhin sinkende Neuinfektionen und Todesfälle.

Dies ist besonders in Barcelona und Madrid der Fall, da die beiden größten Städte Spaniens die Epizentren der Pandemie im Land sind. Der Rest des Landes wird innerhalb der Provinz des aktuellen Wohnortes wieder zirkulieren dürfen und auch „Versammlungen“ von bis zu 10 Menschen werden wieder erlaubt. Doch wenn es wieder einen Ausschlag nach oben in der „Kurve“ gibt, dann kann die Mitte-Links-Regierung (PSOE) unter Regierungschef Pedro Sanches die Einschränkungen wieder verschärfen.
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Portugal auf dem Weg die Pandemie zu überwinden, aber die Wirtschaft liegt am Boden

In Portugal ist die Lage viel besser als in Spanien und daher öffnet das Land sich wieder Schritt für Schritt. Vom 8. auf den 9. Mai gab es 138 neue Fälle, von jetzt insgesamt 27.406 Infizierten. Es starben 12 Menschen, 6 davon waren über 80. von den 1.126 Todesopfern verstarben 39 Prozent in Altersheimen, die in Portugal teilweise nur unzureichende Pflegekapazitäten besitzen. Also geht die Regierung davon aus, dass die ergriffenen Maßnahmen resultiert haben.

Der Einzelhandel machte letzte Woche die Türen auf, wobei die Menschen einzeln in die Läden gehen, 2 Meter Abstand voneinander halten und sich an die Maskenpflicht halten. Die Schulen öffnen langsam und am 18. Mai ist die Wiedereröffnung von Cafés und Restaurants vorgesehen, wobei diese am Anfang auf 50% ihrer Kapazität reduziert bleiben.

So unterschiedlich die Pandemie auch die iberischen Staaten heimgesucht haben mag, so sehr ist das weitere öffnen der Wirtschaft und des öffentlichen und sozialen Lebens der Menschen im Südwesten Europas davon abhängig, wie sich die Pandemie insgesamt verhält. Die Grenzöffnung zwischen Portugal und Spanien wird erst stattfinden, wenn beide Länder die Bedrohung durch COVID-19 im Griff haben.

Portugal wird aber im Mai nochmal die Reisefreiheit stark einschränken. Am 13. Mai pilgern tausende Menschen jedes Jahr nach Fatima, einen Marienwallfahrtsort im Herzen Portugals. Dieses Jahr – zum ersten mal seit 1917 – wird es keine Wallfahrt geben. Eine Messe wird – wie schon zu Ostern – im Fernsehen und Internet übertragen. Dabei ist es auch für viele Spanier zur Tradition geworden, am 13. Mai oder an anderen religiösen Feiertagen nach Portugal zu kommen.

Der Tourismus war seit der Finanzkrise der Motor für Portugals Wirtschaft. Jetzt ist eben dieser Wirtschaftszweig die „angezogene Handbremse“, die unzählige Menschen in die Arbeitslosigkeit schicken wird und viele Cafés und Restaurants Konkurs anmelden lässt. Was die geplanten Gegenmaßnahmen erreichen werden, steht noch in den Sternen. In Zeiten wie diesen, sind sowieso alle Prognosen reine Zeitverschwendung.

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