Ohne Irak kein Irankrieg

Symbolbild. Abschuss von Tomahawk-Raketen von US-Kriegsschiffen. Bild: U.S. Navy

Ein Krieg gegen den Iran ist ohne die aktive Unterstützung durch den Irak von vornherein zum scheitern verurteilt. Dieser wehrt sich gegen eine Zerstörung der Region durch einen solchen Krieg. 

Marco Maier – 1. Juni 2019

Alleine über den Persischen Golf können die Amerikaner und ihre regionalen arabischen Alliierten den Iran nicht wirkungsvoll angreifen. Sie brauchen auch den Landweg, um möglichst rasch in Richtung Teheran vormarschieren zu können. Doch aus unterschiedlichen Gründen kann kein anderes Land als der Irak als Aufmarschgebiet für Bodentruppen gegen den Iran dienen. Auch das war ein Grund dafür, warum die Amerikaner damals Saddam Hussein in seinem Krieg gegen das Nachbarland massivst unterstützten.

Doch nach dem Sturz des Saddam-Regimes kam die schiitische Mehrheit des Landes in die Regierungsverantwortung. Diese sucht jedoch nach guten Beziehungen zum Nachbarland. Zudem haben irakische Abgeordnete in den letzten Monaten immer wieder darauf gedrängt, sämtliche ausländischen Soldaten aus dem Land zu treiben. Sie sehen die irakische Souveränität durch die ausländische Truppenpräsenz massivst verletzt.

Weiters fordern die irakischen Abgeordneten von den USA, Großbritannien und Israel Reparationen für Kriegsschäden. Grund dafür ist der Einsatz international geächteter Waffen (wie Uranmunition und Phosphorbomben) während des Irak-Krieges. Der Nationalstolz der Iraker ist ungebrochen und der Aufenthalt der fremden Truppen im Land gilt als Demütigung.

Hinzu kommt, dass die irakische Regierung kein Interesse an „einem neuen zerstörerischen Krieg in der Region“ hat, wie es der irakische Botschafter in Moskau sagte. „Der Irak ist eine souveräne Nation. Wir werden die Vereinigten Staaten nicht unser Territorium nutzen lassen.“ Auch Premierminister Adil Abdul-Mahdi stimmt in die Anti-Krieg-Aufrufe ein.

Das macht es für die Amerikaner fast unmöglich, den Irak als Sprungbrett in den Iran zu nutzen. Doch auch die anderen Nachbarländer des Irans, Armenien, Aserbaidschan, Turkmenistan, die Türkei, Afghanistan und Pakistan eignen sich nicht dafür. Sei es aus politischen oder geographischen Gründen – oder beidem. Das weiß man in Washington auch.

Sollten die neokonservativen Kriegstreiber in Washington tatsächlich einen Krieg gegen den Iran vom Zaun brechen wollen, bleibt ihnen nur der Seeweg über den Persischen Golf übrig. Da reicht die Schlagkraft nicht bis nach Teheran und hätte außer massiven Verlusten an Material keine Auswirkungen. Im Gegenteil: die Amerikaner würden so die konservativen Hardliner in Teheran nur noch stärker unterstützen.

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