Mordanschlag durch Holzfäller auf politisch aktive Ureinwohner im brasilianischen Amazonasgebiet – ein Toter, ein Verletzter

Paulo Paulino Guajajara, Kwahu Tenetehar - Screenshot YouTube

Ein Anschlag auf zwei Anführer des Guajajara-Stammes und Aktivisten für den Schutz der Ureinwohner und der Natur im Amazonasgebiet, erschüttert derzeit die Gemeinden in den Schutzgebieten des riesigen, aber stark gefährdeten Regenwaldes. Was macht Brasiliens Regierung dagegen? 

Rui Filipe Gutschmidt – 5. November 2019

Zwei Angehörige des Guajajara-Stammes wurden am Freitagabend bei einem Hinterhalt von bewaffneten „Holzfällern“ im brasilianischen Amazonasgebiet angegriffen. Dabei wurde einer von ihnen tödlich von einer Kugel im Genick getroffen, während der andere mit einer Kugel im Rücken und einer weiteren in einem Arm davon kam. Die Informationen wurden diesen Samstag vom Sekretariat für Menschenrechte der Regionalregierung von Maranhão und der lokalen Presse veröffentlicht.

Bei dem Hinterhalt gab es zwei Opfer. Einer von ihnen ist Paulo Paulino Guajajara, auch bekannt unter seinem indianischen Namen Kwahu Tenetehar, wurde laut der NGO Survival International in den Nacken geschossen. Kwahu Tenetehar war einer der sogenannten „Forest Guardians“, einer Gruppe indigener Völker, die sich dem Schutz des -Regenwaldes verschrieben haben.

Das andere Opfer war ein weiterer Anführer des Guajajara-Stammes, Laércio Souza Silva (Tainaky Tenetehar). Er wurde in den Rücken und in den Arm geschossen, konnte jedoch fliehen. Er wurde bereits aus dem Krankenhaus entlassen. Ein Holzfäller gilt seit dem Anschlag als vermisst, fügte die Regierungsbehörde des Bundesstaates Maranhão im Nordosten des Landes hinzu.

Nach Angaben des Guajajara-Stammes „kamen die Schüsse aus einem Hinterhalt“, der in der Gemeinde Bom Jesus das Selvas gestellt wurde. „Die Wächter Paulino und Laercio gingen aus dem Dorf, um Wasser zu holen, als sie von mindestens fünf bewaffneten Männern umkreist wurden.“ Den Berichten zufolge haben diese auf die Indianer geschossen. Mitglieder des Programms zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern und bewaffnete Sicherheitsteams wurden zur Untersuchung in die Region entsandt.

Laut der Nichtregierungsorganisation Survival International „wurden bereits mindestens drei Wächter des Waldes ermordet und viele ihrer Verwandten wurden auch von Holzfällern und Landräubern getötet, die in ihr Territorium, das indigene Land der Arariboia, dass jetzt das letzte verbliebene Waldgebiet in der Region ist, eindrangen.“ Es sind die 180 Wächter des Guajajara-Stammes (einer der zahlreichsten in Brasilien), die sich gegen die Holzfällerlager stellen, die mit dem illegalen Holzeinschlag, Brandrodungen für Viehzüchter und anderen illegalen Aktivitäten viel Geld verdienen und deren gewaltsame Methoden berüchtigt sind.

Der Umweltverband Greenpeace forderte die brasilianische Regierung auf, Maßnahmen zu ergreifen, um „mehr Konflikte und mehr Todesfälle“ in dieser Region zu verhindern. Human Rights Watch (HRW) drückte auch „tiefe Trauer“ über den Vorfall aus und forderte die Behörden auf, „eine vollständige und unabhängige Untersuchung des Angriffs“ durchzuführen. „Brasilien muss dringend gegen Holzfäller vorgehen, die diejenigen einschüchtern, bedrohen, angreifen und sogar töten, die wie Paulo Paulino und Laércio versuchen, den Wald zu schützen, der das Erbe aller Brasilianer ist“, sagte der Forscher César Muñoz – HRW-Senior.

All diese Organisationen sind für Brasiliens derzeitige Regierung aber „ausländische Agenten mit einer Agenda die sich gegen die Interessen Brasiliens verschwört haben“. Natürlich sind „die Interessen Brasiliens“ nicht die Interessen der Brasilianer und noch weniger die der Ureinwohner. Einige Stämme haben sich schon in die tiefsten Waldregionen zurückgezogen, um den „Holzfällern, Banditen, Goldgräbern und selbst gut gemeinten Vorstössen unserer sogenannten „Zivilisation“ zu entkommen. Diese Gemeinden wollen mit uns nichts zu tun haben. Sie wollen und sie brauchen unsere Religion, Medizin, Schrift oder Kleidung genauso wenig wie unsere Waffen, unser Gift, unsere Maschinen und unsere Moralvorstellungen, an die wir uns selbst nicht halten!

Wenn das Problem bisweilen bei korrupten Beamten zu suchen war oder bei dem ideologischen Übereifer, der allen den „Schutz des Sozialstaats“ zukommen lassen wollte, so ist heute eine Regierung an der Macht, die alles privatisieren möchte und die Schätze des Amazonas ohne Rücksicht auf Umwelt oder Ureinwohnerrechte verscherbelt. Doch offiziell ist der Präsident der Beschützer dieser Schätze und alte Verträge, bei denen „die Seinen“ nicht ihren Anteil bekamen, werden schlecht geredet, nach verhandelt oder, wenn möglich, anuliert. Ob alte oder neue Verträge, Korruption ist immer verwickelt bei der Vergabe von Konzessionen und wenn die Behörden bei Übergriffen auf die Schutzgebiete wegsehen, dann liegt das auch an korrupten Beamten.

Die Natur muss geschützt werden und die Naturschützer erst recht! Egal ob Brandrodungen, illegaler Holzeinschlag oder die Ölpest, die an den Stränden des Nordostens angespült wird. Brasiliens Regierung ist gefordert und dabei muss es egal sein, ob man es medienkonform für politische Zwecke ausnutzen kann (DAS ÖL IST VENEZOLANISCHEN URSPRUNGS…) oder ob es den Staat eher in einem schlechten Licht dastehen lässt.

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