„Land Unter“ in Portugal – „Elsa“ verursacht Überschwemmungen und „Fabien“ ist auf dem Weg

Sturmtief Elsa - wenn der Atlantik tobt - Screenshot Video von Frank Rühlow - mit freundlicher Genehmigung des Autors

Rui Filipe Gutschmidt – 20. Dezember 2019

Zwei Tage und Nächte lang brachte Sturmtief Elsa große Zerstörung nach Portugal. Die Bilanz bislang: Zwei Tote, ein Vermisster (wahrscheinlich tot) 71 verloren ihr Zuhause mehrere Verletzte. In Spanien gab es auch einen Toten und viele Flüsse traten über die Ufer. Doch es ist noch nicht vorbei…

Kap São Vicente, Sagres – Bild von Frank Rühlow © mit freundlicher Genehmigung des Autors

Es ist nicht mein Lieblingsthema und wenn es mich, so wie jetzt, persönlich erwischt, schon gar nicht. Doch es ist nun mal das Thema der Stunde und viele meiner Leser wollen informiert werden, da es sie auch persönlich betrifft. Denn Elsa, hat inzwischen auch die Regionen im Süden Portugals und Spaniens heimgesucht, wo die meisten Deutschsprachigen leben. Mein Gruß an alle Leidensgenossen in diesen Stunden… Die größten Schäden aber gab es nördlich von Lissabon.

Beim Einsturz eines Hauses wurde der Besitzer verschüttet. Er konnte noch nicht gefunden werden, aber sein Tod gilt als sicher. Ein weiteres Todesopfer gab es beim einem Unfall mit einem LKW, auf den ein Baum stürzte. Ein Arbeiter kam beim Absturz eines Baggers ums Leben. Entwurzelte Bäume und Erdrutsche sorgten im Übrigen für jede Menge gesperrte Straßen und auch Schienenwege wurden mancherorts unterbrochen.

Neben Zugverbindungen von Norden bis Süden des Landes fielen auch viele Flüge und Fährverbindungen (über den Tejo zwischen Lissabon und dem Südufer des Flusses) aus.

Neun Distrikte bleiben auch weiterhin auf Warnstufe Orange: Viseu, Guarda, Castelo Branco, Aveiro, Coimbra, Braga, Porto, Vila Real und Viana do Castelo. Das portugiesischen Institut für Meer und Atmosphäre (IPMA) warnt davor, dass der Regen die Flusspegel noch weiter steigen lässt. Flüsse wie der Tâmega, Tua, Douro, Lima, Mondego, Águeda und andere kleinere Wasserläufe sind über die Ufer getreten und in den Städten Chaves, Régua, Coimbra und Porto melden die tiefer gelegenen Stadtteile am Flussufer „Land unter“. Besonders schlimm ist es in Águeda, wo „das schlimmste noch bevorsteht“.

Nach Angaben von Katastrophenschutz und Feuerwehr wurden über 7.000 Vorfälle registriert. Das Stromnetz und Telekommunikationsnetzwerke wurden ebenfalls stark betroffen. Viele Orte waren, beziehungsweise sind noch immer ohne Strom und/oder ohne Kommunikationsnetz. Laut der am späten Nachmittag vom Stromversorger EDP Distribuição abgegebenen Erklärung wurden angesichts der sich verschlechternden Wetterbedingungen die Einsatzteams vor Ort verstärkt, derzeit sind rund 1.200 Arbeiter mit 700 Fahrzeugen zur Durchführung der Reparaturarbeiten bei der Stromversorgung im Einsatz. Dies geschieht trotz widriger Wetterbedingungen, insbesondere den starken Windböen und starkem Regen, was für die Arbeiter nicht ganz ungefährlich ist.

Kap São Vicente, Sagres 3 – Bild von Frank Rühlow © mit freundlicher Genehmigung des Autors

Aber damit nicht genug! Nach Daniel und Elsa kommt Fabien. Klimawandel lässt grüßen!

Es wird erwartet, dass sich die Auswirkungen von Elsa heute, Freitag 20.12.2019, nachlassen. Aber am Samstag wird das Land vom Sturmtief Fabien betroffen sein. Es ist abzusehen, dass sich dieses Tiefdruckgebiet voraussichtlich weniger extrem auf Portugal und Spanien auswirken wird, wobei dennoch mit starken Regenfällen und heftigen Böen zu rechnen ist. Das Meer ist ebenso aufgewühlt und die Boote sollen im sicherem Hafen bleiben. Wieder die Warnung, das sich die Menschen vom Meeresufer fernhalten sollten.

Es trifft vor allem die Armen, dessen Häuser von Daniel und Elsa schon schwere Schäden davongetragen haben. Doch genau diese Menschen haben meistens keine Versicherung. Auch Café- und Ladenbesitzer am Ufer der genannten Flüsse sind nicht versichert. Keine Versicherung ist bereit diese Geschäfte zu versichern. So bleiben viele auf dem Schaden sitzen und der Staat hilft auch nur bedingt und setzt große bürokratische Hürden.

Diese Stürme bilden sich oftmals in der Karibik oder sind das Resultat eines Zusammenstoßes warmer und kalter Luftmassen, die sich dann auf den Azoren zusammenbrauen. Doch der Golfstrom und das ganze damit zusammenhängende System ist durcheinander geraten. Klimawandel bedeutet nicht, dass es nur wärmer wird. Doch global steigen die Temperaturen und mit dem Anstieg der Wassertemperaturen der Meere, bekommen auch die Stürme mehr Energie und werden dadurch stärker, führen mehr Niederschläge mit sich und wachsen auch in ihrer Größe kräftig an.

So haben die Australier im Moment auch gerade einen Hitzerekord. Denn über 42º C mag normal sei, aber als Durchschnittstemperatur? Wahnsinn. Die Waldbrände „Down-Under“, sind genauso außer Kontrolle wie die Brände in Kalifornien oder eben die Waldbrände in Portugal, die, wie die Australischen Brände, vom etherischen Öl des Eukalyptus angeheizt werden. Wälder brennen aber leider auch in Indonesien und Brasilien um Land für die Agrarindustrie zu gewinnen. Das dieses Land nur kurze Zeit fruchtbar bleibt, ist den Hintermännern dieser Brandstiftung egal. Klimaschutz ist ein Wort, dass ich persönlich nicht besonders mag. Denn es geht um Umweltschutz im weitestem Sinne. Wenn wir solche Stürme wie Daniel, Elsa und Fabian zumindest in der Häufigkeit und Stärke vermeiden wollen, dann müssen wir unsere Wälder schützen, Bäume pflanzen, fossile Brennstoffe durch neue Technologien ersetzen, die es schon seit Jahrzehnten gibt, die aber absichtlich zurückgehalten werden. Bis zum nächsten Sturm heißt es also Häuser Wasserdicht und Windfest machen.

PS.: mehr als 7.200 Einsetze und über 77 verloren ihr Zuhause. Der Vermisste wurde noch nicht gefunden. (20.12.2019 – 18:00)

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