Krieg im Cyberspace – Israel und Iran hacken sich in Infrastrukturen „des Feindes“

Israel und Iran - ein Konflikt eskaliert auf unerwartete Weise. Bild: YoyTube

Rui Filipe Gutschmidt – 26. Mai 2020

Israel und der Iran sind „Todfeinde“! Seit der Gründung der Islamischen Republik Iran 1979 richtet sich der Wut der Mullahs gegen den Dollarimperialismus, bei dem die USA ihre Macht kurzerhand bei korrupten Regierungen kaufen, um so die Rohstoffquellen weltweit zu kontrollieren. Im erdölreichen nahem Osten wurde der 1947 gegründete Staat Israel zum wichtigsten Verbündeten der US-Imperialisten. Beide Seiten wetteifern seit Jahrzehnten um die Vorherrschaft in der Region. Die neusten Waffen in diesem Konflikt sind die weltweit vernetzten Computer.

Die Washington Post brachte einen Bericht über eine Eskalation im sogenannten „Cyberwar“ zwischen Israel und dem Iran. Demnach legte ein Angriff der Cyber-Einheit des israelischen Militärs das gesamte Computernetzwerk im Hafen von Bander Abbas lahm. Mit dem Angriff am 9. Mai begann ein tagelanges Chaos in dem Hafen in der Nähe der Meerenge von Hormuz, bei dem 60 % des Warenverkehrs des Iran abgewickelt werden.

So berichtet die Washington Post, dass „das iranische Shahid Rajaee-Terminal in der Nähe der iranischen Küstenstadt Bandar Abbas an der Straße von Hormuz am 9. Mai von Hackern attackiert wurde, die den Hafen lähmten. Durch den Cyberangriff bildeten sich kilometerlange Schlangen von LKWs außerhalb des Hafens und im Hafen selbst reihten sich die Schiffe aneinander.“

Die US-amerikanische Tageszeitung zitierte Geheimdienst- und Cybersicherheitsbeamte, die mit der Situation vertraut waren, und sagte, der Computerangriff sei von israelischen Militärs durchgeführt worden, „vermutlich als Vergeltung für einen früheren Versuch, in Computer einzudringen, die ländliche Wasserverteilungssysteme in Israel kontrollieren“. Der Zeitung wurden Satellitenbilder gezeigt, die die massive Sicherung von Lastwagen auf Straßen und von Containerschiffen im Wasser zeigen.

Der Iran bestätigte den Cyberangriff auf die Einrichtung am Tag danach, spielte jedoch deren Schwere herunter. „Ein kürzlich durchgeführter Cyberangriff konnte die Systeme des PMO nicht durchdringen und konnte nur eine Reihe privater Betriebssysteme in den Häfen infiltrieren und beschädigen“, sagte Mohammad Rastad, Geschäftsführer der Hafen- und Seeschifffahrtsorganisation (PMO), in einer Erklärung.

Auge um Auge, Zahn um Zahn

Unter Berufung auf ausländische Geheimdienstquellen berichtete die Washington Post außerdem schon am 8. Mai, also einen Tag vor dem Angriff auf den Hafen, dass der Iran für einen Cyberangriff auf Wasserverteilungsnetze in Israel verantwortlich gewesen wäre, der jedoch ohne Schäden zu verursachen abgewehrt worden sei. Der Iran bestritt die Beteiligung an dem gescheiterten Hackerangriff am 24. April. Israelische Beamte, so heißt es in dem Bericht, antworteten nicht auf Anfragen nach Kommentaren.

Al Jazeera zitierte die WP weiter:

Ein namenloser westlicher Beamter sagte am Dienstag gegenüber Israels Kanal 12: „Israel hofft, dass [die Iraner] dort anhalten. Sie haben Komponenten der Wasserinfrastruktur angegriffen. Sie haben nicht wirklich Schaden angerichtet, aber sie haben eine Grenze überschritten und [Israel] musste sich rächen.“

Es ist zwar mal wieder eine typische Episode eines endlosen Konflikts, aber es ist doch eine neue Variante des typischen „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Militärs und Geheimdienste auf der ganzen Welt nutzen immer häufiger die neuesten Technologien, um ihren Gegenspielern (ja, für diese Menschen ist Krieg ein Spiel!) Schaden zuzufügen. Dabei werden die Kapazitäten des Iran nur allzu oft unterschätzt. Die Überheblichkeit der USA und der Europäer wird aber nicht seitens Israels Militärs geteilt. Der jüdische Staat, der wohl ebenso fundamentalistisch regiert wird wie die islamische Republik, kennt die Gefährlichkeit des Iran und seiner Wissenschaftler, Techniker, Ingenieure und Informatiker genug, um diese zu fürchten. Sichere Computersysteme gibt es nicht und die einzige Lösung für die Konflikte ist der Dialog. Ohne Frieden zwischen allen Völkern, allen Menschen, wird es bald keine Völker, Menschen, mehr geben.

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