Gelbe Westen in Portugal distanzieren sich nicht genug von den Ultranationalisten der PNR

Gelbwesten in Portugal ohne Teilnehmer - Screenshot YouTube

Die Gelbwesten in Portugal wurden als „großes Ereignis“ angekündigt und stellten sich als großen Flop heraus. Was den Protest in Portugal dennoch interessant macht, ist der Grund (die Gründe) für die schwache Präsenz…

Rui Filipe Gutschmidt – 7. Januar 2019

Die “Gelbwesten” gingen dieses Wochenende in Portugal wieder auf die Straßen der größten Städte des Landes. Wie aber schon beim letzten mal geschehen, so wurden auch diesmal die Erwartungen der Organisatoren völlig frustriert. In Porto waren etwa zwei Dutzend “Gelbwesten” zu dem vereinbarten Ort gekommen, während es in Faro anscheinend nur… einer war. Könnte aber auch ein Arbeiter der Stadtwerke gewesen sein… Sarkasmus ist aber nicht wirklich angebracht, da diese Menschen nicht ohne Grund demonstrieren.

In der Hauptstadt Lissabon kamen immerhin etwa 100 Demonstranten an dem Ort zusammen, an dem bei einer Meisterfeier von Benfica oder Sporting Lissabon Tausend mal mehr Menschen zusammen kommen. Auf Plakaten standen verschiedene Forderungen wie: “Schluss mit der Korruption”; “Steuern senken”; “Preise für Wasser, Strom, Benzin und Gas senken”. Diese Forderungen nach besseren Lebensbedingungen, in einem Land in dem die Menschen sich abrackern, nur um den Energiekonzernen, konzessionierten Wasserwerken und Kommunikationskonzernen am Monatsende bis zu 80 Prozent von ihren viel zu niedrigen Einkommen abdrücken zu müssen und in dem korrupte Politiker anscheinend wie die Made im Speck leben, sind also durchaus verständlich.

Aber die meisten Menschen verstehen, dass hier Kräfte am Werk sind, die nicht mit Demos wie in Frankreich zu lösen sind. Die Gewalt auf den Straßen von Paris schreckt einige Leute ab, obwohl die Portugiesen nicht diese Profikrawallmacher haben, die sich in Frankreich unter die Demonstranten mischen. In Portugal gibt es andere, mit denen die Menschen nichts zu tun haben wollen. Die Organisatoren sagen zwar deutlich, dass sie politischen Opportunismus keine Plattform bieten wollen, aber wie soll man das verhindern?

Es sind die Sympathisanten der PNR, Partido Nacional Renovador, die mit Plakaten wie: “Nein zum Migrationspakt”; “Gegen Massenzuwanderung”; “Keine Islamisierung Europas”, unschwer ihre rechtsnationalistische Gesinnung zur Schau tragen, die wohl am meisten den normalen Bürger abschrecken. Also sind es nicht nur die Organisatoren der Gelbwestenproteste in Portugal, die sich nicht von den Neofaschisten für ihre Zwecke einspannen lassen wollen, sondern auch sonst ist niemand dazu bereit. Am 21. Dezember 2018 hatten sich die PNR-Anhänger auch Gewaltsam unter die Demonstranten gemischt und jedem Prügel angedroht, der sich gegen ihre Teilnahme bei den Protesten äußerte.

Fazit? Die Faschisten sind schuld! Aber ist es so einfach? Natürlich nicht. Die Portugiesen haben gerade eine Schuldenkrise überwunden und auch wenn es noch viel, sehr viel, zu ändern gibt, so hat die Regierung Costa doch die Unterstützung der Mehrheit der Portugiesen – wie auch durch ein breites Linksbündnis im Parlament. So sind eher konservative, die obere Mittelschicht und eben auch die 0,1 Prozent Neofaschisten der Meinung den Protest auf die Straße tragen zu müssen. Die Linke Opposition, wird am Verhandlungstisch und in einigen Streiks gemacht, wo es tatsächlich auch was bringt. Gelbwesten machen hier also wenig Sinn, was nicht bedeutet, dass diese Form des Protests in Deutschland nicht angebracht wäre. Meines Erachtens werden die Gelbwesten in Deutschland dringend gebraucht, solange man die AfD mit ihrem Hass und ihrer Hetze dabei klar die ROTE KARTE zeigt…

Passend zum Thema:

https://info-welt.eu/2018/12/23/gelbe-westen-in-portugal-rechtsextreme-haben-unseren-protest-kaputt-gemacht/
 

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