Feiger Mord am Vorsitzenden der Landlosenbewegung Brasiliens – Justiz auf dem Prüfstand

Movimento Sem Terra - Bild von Redaktion Info-Welt CC BY 2.0

Rui Filipe Gutschmidt – 1. November 2020

Rui Filipe Gutschmidt

Die Landlosenbewegung fordert Brasiliens Justiz auf, den feigen Mord am regionalen Vorsitzenden, Ênio Pasqualin, im Bundeststaat Paraná aufzuklären. Nachdem der Neofaschist Jair Bolsonaro zum Präsidenten gewählt wurde, häufen sich die politischen Morde an Linken Politikern und Aktivisten aller Art.

Die Bewegung der Landlosen Landarbeiter (MST) in Brasilien fordert eine Untersuchung der Entführung und des Todes von Ênio Pasqualin, dem Vorsitzenden der Organisation im Bundeststaat Paraná im Osten Brasiliens. Nach Bolsonaros Wahl nahmen die Bedrohungen durch Räumung und die Gewalt gegen Aktivisten für Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit in der Region Paraná zu.

Ênio Pasqualin, wurde nach Angaben des „Instituto Humanitas Unisinos“ auf in Paraná, Brasilien, erschossen, nachdem er von zu Hause entführt worden war.

PT-Präsidentin und Bundesabgeordnete Gleisi Hoffman erklärte: „Gewalt auf dem Land ist in Paraná seit langem Realität. Mit der Wahl von Bolsonaro und Ratinho Jr. wurde es nur noch schlimmer“ und weiter fügte sie hinzu, dass „Räumungsklagen vor Gericht und Drohungen gegen das Leben von Aktivisten durch Großgrundbesitzer immer häufiger werden“.

Laut einer Erklärung des MST war Ênio Pasqualin vom Basiskoordinator zum Landesvorsitzenden des MST Paraná gekommen und nahm an Aktivitäten und Landbesetzungen in der Region Rio Bonito do Iguaçu teil, in der er nun ermordet wurde. Er lebte in der Siedlung Ireno Alves dos Santos.

Die Landarbeiterbewegung berichtet, dass „Enio am Samstagabend von Entführern aus seinem Haus verschleppt wurde und dass seine Leiche am Sonntagmorgen in der Nähe der Siedlung gefunden wurde, mit eindeutigen Hinweisen auf eine Hinrichtung.“

Ênio war am 15. Oktober 48 Jahre alt geworden und der inakzeptable Mord hatte laut der staatlichen Direktion des MST „einem Vater und Ehemann, das Leben genommen und seine beiden Töchter, Sohn und Frau, mit unerträglichem Schmerz zurückgelassen“.

Ênio begann seine Militanz in der MST 1996 in Saudade do Iguaçu und zog im selben Jahr im Rahmen einer der größten Landbesetzungen des MST am 17. April 1996 in das Lager Buraco in Rio Bonito do Iguaçu. An diesem Tag besetzten dreitausend landlose Familien das Latifundio (Großgrundbesitz) von Giacomet Marodin, dem derzeitigen Araupel (Holzverarbeitung).

Der MST sagt, dass Ênio immer in den Kampf für die Agrarreform involviert war, „ob im Bereich der Produktion und in der Organisation von Siedlern, als er Präsident des Zentrums der Gemeindeverbände der Siedlung Ireno Alves dos Santos (Cacia) war oder als er den Söhnen und Töchtern von Siedlern und Siedlerinnen half, sich zu organisieren, um den Kampf um das ausgedehnte Gebiet von Araupel fortzusetzen “.

Die Staatsdirektion fordert „die Klärung der Tatsachen, die Untersuchung und Festnahme der Beteiligten“.

 

In Brasilien besitzt eine geringe Anzahl von Großgrundbesitzern eine riesige Fläche, die nur zum Teil erschlossen wurde. Landarbeiter werden zum Teil nach wie vor wie Leibeigene behandelt und die mächtigen Familien fühlen sich teilweise noch immer wie eine Art Landadel.

Man darf daher den Kampf der Landlosenbewegung für eine gerechtere Landverteilung nicht als „illegale Landbesetzung“ verstehen. Natürlich ist es rein rechtlich illegal, wenn man auf einem Land siedelt, dass einem anderen gehört. Die Frage ist aber, wie dieses Land in den Besitz dieser anderen Person, Familie oder dieses oder jenes Unternehmen gekommen ist.

Seit der portugiesischen Kolonialzeit und der Zeit des Sklavenhandels dominieren mächtige Familien das riesige Land und im Zuge der Erschließung des Hinterlandes benutzten diese „Fazendeiros“ ihren politischen Einfluss, um immer mehr Land zu erwerben, wobei sie oft ebenfalls illegal Land besetzen. Die großen Brände im Amazonasgebiet, dessen Rauch unter anderem die Millionenstadt São Paulo verdunkelte, wurden von Fazendeiros gelegt, um mehr Land für die Rinderzucht oder Plantagenwirtschaft zu bekommen.

Derzeit ist Jaír Bolsonaro Präsident Brasiliens. Ein Faschist, der mit dem Teil des Militärs zusammenarbeitet, der mit der Militärdiktatur in Brasilien sympathisiert hatte. Neben den religiösen Fanatikern und so manchen anderen Lobbyisten, gehören auch die Fazendeiros zu den Unterstützern der jetzigen Regierung, was dazu führt, dass diese so ziemlich alles dürfen, was sie wollen.

Die Polizei schaut weg und die Justiz hat es schwer gegen den politischen Strom zu rudern. Doch der Druck der Öffentlichkeit nimmt mit jedem weiterem politischen Mord zu und auch der internationale Druck verschaft Staatsanwälten und Richtern, die tatsächlich etwas machen wollen, die nötige Rückendeckung. Es ist Aufgabe der Presse, die Menschen über die Vorgänge in Brasilien zu unterrichten, um diesen internationalen Druck zu ermöglichen. Die brasilianische Justiz hat nun die Aufgabe, den feigen Mord an Ênio Pasqualin aufzuklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

 

Info-welt zum Thema „politische Morde in Brasilien“:

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