Die Wut über Putin in Russland wächst, man spricht von Bürgerkrieg

Glamorouses Moskow Pixabay CC0 Public Domain

Es wird einen Bürgerkrieg geben“, sagt der Taxifahrer in Moskau. Dabei ist Igor kein Taxifahrer sondern Jurist mit zwei Hochschulabschlüssen
Edgar Schülter – 27. November 2018
Igor lebt in der Provinz, trotz seiner Abschlüsse verdient er gerade mal 330 Euro im Monat, davon kann man die Familie nicht ernähren. Als Staatsdiener hatte Igor sogenannte alternative Verdienstmöglichkeiten gehabt, sprich Bestechungsgelder anzunehmen.
Igor jedoch behauptet, er habe Prinzipien und Ehre genug um so etwas erst gar nicht zu machen. Traurig behauptet er: „Wer nicht stiehlt in diesem System, ist betrogen.“
Igor lebt seit ein paar Monaten in Moskau, dort arbeitet er jetzt als Taxifahrer und schafft es bis zu 1000 Euro im Monat zu verdienen. Das meiste davon schickt er nach Hause zu seiner Familie.
Während Moskau boomt und Reich wird, verelendet die Provinz
Moskau schwimmt praktisch in Glamour und Luxus. Dagegen sieht sogar mittlerweile Berlin eher arm und unsexy aus. Die Provinz aber wird voll vernachlässigt, wie Igor behauptet: „Die Leute haben buchstäblich nichts zu beißen.“
Auf die Frage, ob die Schuldzuweisung der ganzen Misere, wie es in den staatlichen Medien immer wieder geschieht, Amerika und dem Westen zugeschoben werden kann, antwortet Igor: Dass der Westen an allem schuld ist, glauben immer weniger. Die meisten sind wütend auf den Präsidenten. Sehr wütend“ und er fährt fort: „Wie lange will Putin noch so tun als ob seien alle anderen dran schuld?“
Mittlerweile glauben 61 Prozent aller Russen, dass Putin für die Probleme im Land die Verantwortung trägt. Viele Jahre hinweg glaubte man, dass Putin den „guten Zaren“ verkörperte der die „Bösen Männer“ in seinem Umfeld verdrängte und vor allem den „Westen“ daran hinderte das Land indirekt regieren zu wollen.
Ein altes russisches Sprichwort besagt, »ein schlechter Tänzer findet immer etwas, was ihn am Tanzen stört«, und inzwischen kapieren immer mehr Menschen, dass diese Lebensweisheit auch auf Putin zutrifft”, schimpft Taxifahrer Igor.
Und er meinte noch dazu sarkastisch: „Insgesamt ist Putins Beliebtheit auf die Werte vor der Krim-Annexion zurückgefallen. Die Menschen haben kapiert, dass sie sich die Krim nicht aufs Brot schmieren können und sie von ihr nicht satt werden”.

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2 Kommentare

  1. Kaum ein Russe wird in Zusammenhang mit der Krim von Annexion reden, denn die Krim war und ist seit Katharina der Grossen russisch und ist sowohl beliebtes Urlaubsziel als auch für die Verteidigung des Landes extrem wichtig.
    Auch wer sich andere russische Städte in der so genannten „Provinz“ anschaut, wird überall grosse Fortschritte und sehr viel moderne Dinge finden, seit 2014 auch auf der vorher von der Ukraine komplett vernachlässigten Krim, wo man als einziges darin investiert hatte, die russische Sprache der Mehrheit der dortigen Bevölkerung zurückzudrängen.

    • Der Konflikt zwischen Ukraine und Russland ist ein zweischneidiges Schwert. Fragt man Ukrainer oder Tataren, dann werden diese die Krim für sich beanspruchen. Im Laufe der Geschichte wechseln Territorien meist gewaltsam den „Besitzer“. Erst wenn wir damit aufhören Grenzen zu ziehen, also Striche auf der Landkarte zu zeichnen, die Menschen von einander trennen und den Blödsinn von „Die Krim gehört uns“ und dergleichen mehr zu proklamieren, wird Frieden herrschen.

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