Destabilisierung der Türkei: US-Angriff auf Europa?

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Es mag sich wie eine Verschwörungstheorie anhören, doch eine durch den Kollaps der Türkei hervorgerufene „Migrationskrise 2.0“ würde die EU noch weiter spalten, wovon Trumps USA profitieren würde.
Marco Maier – 18. September 2018
Bei vielen Begebenheiten ist die Frage nach dem „cui bono?“ (lat.: „Wem nutzt es?“) durchaus extrem wichtig, will man mögliche externe Interferenzen richtig zuordnen. Das ist bei der Ukraine-Krise genauso wichtig wie beim Syrien-Krieg und ebenso nun in Sachen Türkei, welche sich in Richtung Wirtschafts- und Finanzkrise bewegt, weil unter anderem auch die Türkische Lira massivst unter Druck geraten ist.
Klar, selbst verschuldete Faktoren (Korruption, Vetternwirtschaft, Leistungsbilanzdefizit, Fremdwährungskredite usw.) müssen durchaus berücksichtigt werden, doch das ist noch lange nicht alles. Denn will man ein Land destabilisieren, attackiert man es an seiner weichsten Stelle. Im Falle der Türkei ist es eben die Währung, die Dank der Nutzung von Hebeln leicht massiv unter Druck gesetzt werden kann. George Soros bewies dies in den 90ern mit dem Britischen Pfund und der Italienischen Lira.
Doch wozu das Ganze? Kollabiert die Türkei finanziell und wirtschaftlich, bricht auch jener Damm, der die ganzen Flüchtlinge und Migranten aus der Region zurückhält. Wenn sich dann zwei bis vier Millionen dieser Menschen auf den Weg nach Mittel- und Nordeuropa machen, wird der ohnehin schon bestehende Riss durch die EU zu einer unüberbrückbaren Kluft und unter Umständen führt dies dann auch zum Anfang vom Ende dieser Europäischen Union, so wie man sie jetzt kennt. Und Trump hat die EU nicht umsonst bereits als „Feind“ bzw. „Gegner“ bezeichnet.
Und in wessen Interesse liegt ein zersplittertes Europa, welches zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist? Donald Trump und dessen neokonservativer Regierung, die ohnehin lieber mit einzelnen Staaten als mit Brüssel verhandelt, weil so der ökonomische und finanzielle Druck der USA stärker ist.
Aber nicht nur das: Auch kann Washington so der mittlerweile ungeliebten Regierung in Ankara so vor den Karren fahren. Man sieht die vergleichsweise guten Beziehungen zwischen der Türkei, dem Iran, Russland und China nicht gerade mit Freude. Der Kauf von S-400-Luftverteidigungssystemen von Russland stößt in Washington genauso sauer auf wie die Kooperation mit den Regierungen des Irans und Katars und ebenso die recht guten Beziehungen Ankaras mit Peking. Da wäre ein Regime Change eine willkommene Gelegenheit, die Türkei wieder auf NATO-Kurs zu bringen.
Alles zusammen nur eine Verschwörungstheorie, einfach nur ein Resultat vieler einzelner unabhängig voneinander existierender Entwicklungen, oder doch (wie so oft) eine Verschwörungspraxis? Eine gute Frage. Allerdings eine, die man sich angesichts der Tragweite der Entwicklungen in der Türkei durchaus stellen sollte.

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