Busunfall auf Madeira – Was will Außenminister Maas vor Ort und warum gab es so viele Tote?

Busunglück auf Madeira 29 Tote, 27 Verletzte - Screenshot YouTube

Heiko Maas und Amtskollege Santos Silva trafen sich auf Madeira, nicht nur um der Opfer zu gedenken, sondern auch um Wahlkampf für die Europawahl zu machen. Portugals Staatsanwaltschaft wird die Ursachen des Unfalls untersuchen und das BKA wird zur Identifizierung der Opfer eingeflogen. Warum gab es so viele Tote?

Rui Filipe Gutschmidt – 20. April 2019

Der Ausflug mit einem Reisebus zu den Sehenswürdigkeiten der „Trauminsel“ wurde zum Albtraum, als das Fahrzeug nur wenige Meter vom Hotel außer Kontrolle geriet, von der Straße abkam, einen Hang herunter rollte und in ein Haus krachte. Dabei starben 28 Touristen – im Alter zwischen 40 und 50 Jahren – vor Ort und eine weitere Frau verstarb im Krankenhaus. Der Fahrer und die Reiseführerin sowie weitere 25 deutsche Urlauber wurden teils schwer verletzt.

Die Busfahrer auf Madeira fahren wie Wahnsinnige, aber sie kennen die Straßen der „Blumeninsel“ wie keine anderen“, sagte mir ein regelmäßiger Urlaubsgast auf Madeira. Augenzeugen berichten davon, dass der Fahrer noch versuchte den Bus auf der abschüssigen Straße abzubremsen, indem er an der Mauer entlang streifte. Unklar ist, ob die Bremsen versagt haben oder das Gaspedal geklemmt hat. Ein technisches Versagen wird vorerst als Unfallursache angenommen. Portugals Polizei und Staatsanwaltschaft haben die Ermittlungen aufgenommen.

Die Tatsache, dass die Helfer nur 5 Personen im Bus vorfanden und alle anderen außerhalb des Fahrzeugs lagen, lässt darauf schließen, dass sich niemand angeschnallt hatte. Man glaubt leider immer noch, dass Busfahrer keine Unfälle haben. Doch, auch wenn dies zutreffen würde, selbst der beste Busfahrer kann manchmal nichts tun, um ein Unglück zu vermeiden. In diesem Fall hätte eine einfache Geste viel Leid vermeiden können.

Aber dies soll kein Vorwurf sein. Kaum jemand schnallt sich im Bus an. Es ist eigentlich eine Unsitte, falscher Stolz oder einfach nur Gewohnheit, was für die Angehörigen sicher kein Trost. Ich möchte an dieser Stelle den Familien, Freunden und Bekannten der Todesopfer mein Beileid aussprechen und den Verletzten (16 waren am Karfreitag noch im Krankenhaus) eine schnelle und nachhaltige Genesung wünschen.

Außenminister Maas, Angela Merkel und ihre portugiesischen Amtskollegen, Santos Silva und Antonio Costa, sind irgendwie mehr um ihr Image besorgt. Leider machen sie mit der Presse im Schlepptau Wahlkampf für die Europawahl und Werbung für die Tourismusindustrie. Anders verhielt sich noch Portugals Präsident, Marcelo R. de Sousa, der seine repräsentativen Kompromisse auf Madeira verschob und, statt gleich gerannt zu kommen um staatsmännisch trauernd auftreten zu können, seinen Flieger (Ein Falcon der portugiesischen Luftwaffe) für den Heimflug der Verletzten zur Verfügung zu stellen.

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