Boris Johnson – von „Get Brexit done“ zu „João from Portugal saved my live“

Danke Luis - Boris Johnson bedankt sich bei portugiesischem Krankenpfleger - Screenshot YouTube

Rui Filipe Gutschmidt – 5. Mai 2020

Rui Filipe Gutschmidt

Boris Johnson, Premierminister Großbritanniens, machte im Laufe der letzten Wochen widersprüchliche Aussagen zur COVID-19 Pandemie. Anfangs unterschätzte der konservative Politiker die Gefährlichkeit des neuen Coronavirus und infizierte sich auf Grund seiner Fahrlässigkeit selbst. Ironisch, ganz klar. Ironisch ist aber auch, dass der Brexit-Befürworter sein Leben einem EU-Bürger zu verdanken hat, der durch den Brexit seine Rechte als EU-Bürger in Gefahr sieht.

Während „auf dem Kontinent“ das Virus wütete dachte die Regierung auf der Insel, dass sie nur die Grenzen (Flughäfen, Häfen, Eurotunnel…) dicht machen müssten und dass sie dann sicher wären. Ich weiß nicht wer Boris Johnson beraten hat (Donald Trump?), aber mit Sicherheit würde ich die Leute feuern! Im Gegensatz zum Krankenhauspersonal, dass dem Premierminister zufolge sein Leben gerettet hat. Aber neben der persönlichen Danksagung an Jenny aus Invercargill auf Neuseelands Südinsel und Luis aus Portugal, nahe Porto, die 48 Stunden nicht von seiner Seite wichen und der Feststellung, dass das öffentliche Gesundheitswesen Großbritanniens sein „Leben rettete“, hatte er später in einem Interview offenbart, dass sein Leben wirklich auf der Kippe stand.

Boris Johnson sagte diesbezüglich, dass die Ärzte, die ihn im Krankenhaus behandelten, alle möglichen Vorbereitungen getroffen hätten, „was zu tun ist, wenn etwas furchtbar schief geht“. Der britische Premierminister erinnerte sich an die Tage, die er auf der Intensivstation des St. Thomas Hospital verbracht hatte, und enthüllte, dass die Möglichkeit, nicht zu überleben, besprochen und abgeschätzt wurde.

In einem Interview mit The Sun sagte Boris Johnson, er „leugne nicht“, dass „es eine schwere Zeit war“. „Sie [die Ärzte] hatten eine Strategie, um mit einem‚ »Stalins Tod‘-Szenario« umzugehen. Ich war nicht gerade in einem glänzenden Zustand und mir war bewusst, dass es Notfallpläne gab. Die Ärzte hatten alle möglichen Vorbereitungen getroffen, was zu tun ist, wenn etwas furchtbar schief geht. Sie gaben mir eine Sauerstoffmaske, damit ich Liter und Liter Sauerstoff bekommen konnte, und lange Zeit hatte ich das und Sauerstoff durch die Nase“, sagte der britische Premierminister weiter.

Johnson fügte hinzu, dass die „verdammten Indikatoren weiterhin in die falsche Richtung gingen“ und dass er sich oft fragte: „Wie komme ich da raus?“ „Es war kaum zu glauben, dass sich mein Gesundheitszustand in nur wenigen Tagen auf diese Weise verschlechtert hatte. Ich erinnere mich, dass ich frustriert war. Ich habe nicht verstanden, warum es sich nicht verbessert hat. Aber der schlechte Moment kam, als die Entscheidung 50/50 war, ob ich ein Beatmungsgerät brauchen würde oder nicht. Dann wurde es ein wenig… Sie begannen darüber nachzudenken, wie sie mit dem Problem umgehen sollten“, erinnerte sich Johnson, der das Gerät letztlich nicht brauchte.

Der Premierminister des Vereinigten Königreichs gab auch zu, dass er „in einem Leugnungsprozess“ war, bevor er eingeliefert wurde, und dass er sogar von persönlichen Ärzten „gezwungen“ werden musste, ins Krankenhaus zu gehen. Boris Johnson erzählte The Sun von der Geburt seines sechsten Kindes, das 17 Tage nach der Entlassung des Premierministers am 29. April geboren wurde. „Es war der wunderbaren, wunderbaren Fürsorge zu verdanken, dass ich in der Lage sein durfte, [an der Geburt] teilzunehmen. Sie haben eine große Ausnahme gemacht. Ich kann nicht erklären, wie es passiert ist. Ich weiß es nicht. Es war einfach wunderbar zu sehen … Ich bin zu emotional, um darüber zu sprechen … Aber es war eine außergewöhnliche Sache“, sagte Johnson.

So musste Boris also ein paar harte Lektionen lernen. Zum einen, erfuhr er am eigenen Leib wie gefährlich und unberechenbar dieses Virus ist. Ihm wurde vor Augen geführt, wie sehr die Britten von qualifiziertem Personal aus anderen EU-Ländern angewiesen sind. Das sollte den „Let’s get Brexit done“-Politiker seine Haltung gegenüber der EU zumindest überdenken lassen. Auch überdenken sollte er die Rolle von staatlichen Institutionen wie dem öffentlichen Gesundheitswesen NHS, dass vernünftig finanziert gehört und dessen Mitarbeiter mehr Respekt und damit bessere Arbeitsbedingungen und Löhne verdienen.

Doch Boris Johnson ist nicht der einzige, der hieraus eine Lehre ziehen sollte. Denn die Unterfinanzierung der öffentlichen Gesundheitssysteme ist weltweit ein Problem, dass mit dem neoliberalen Glauben an die Privatwirtschaft und entsprechender Bevorzugung privater Krankenhäuser, Kliniken und dergleichen mehr, einhergeht. Profit auf Kosten der Gesundheit? Nein danke.

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