Bolton schmiedete Kriegspläne gegen den Iran

Bolton hält auf einer Veranstaltung der kommunistischen iranischen Sekte MEK eine Rede. Bild: Twitter

Der Nationale Sicherheitsberater des US-Präsidenten, John Bolton, übergab dem Pentagon einen Plan mit „weitreichenden Militäroptionen“ gegen den Iran. Dort zeigte man sich ob der Naivität und Dreistigkeit des neokonservativen Politikers entsetzt.
Marco Maier – 19. Januar 2019
Das Wall Street Journal veröffentlichte am Sonntagmorgen einen Aufsehen erregenden Bericht, der bestätigte, dass das Weiße Haus und das Pentagon im letzten Jahr „militärische Optionen“ vorbereitet, um den Iran militärisch anzugreifen. Dabei ging es um einen „Schock und Ehrfurcht“-Angriff, wie es schon damals im Irak durchgeführt wurde. Laut der Zeitung seien die Beamten im Außenministerium und im Pentagon erschüttert gewesen, weil diese Aufforderung als „irrsinnig“ und „unbekümmert“ galt, gerade in Bezug darauf, wie unverschämt Bolton agierte.
Die Anfrage um militärische Optionen kam Anfang September, nachdem die Vereinigten Staaten im Irak von Iran unterstützte Milizen beschuldigt hatten, drei Mörser bei der US-Botschaft und dem diplomatischen Gelände in Bagdad abgefeuert zu haben. Auch wurde Teheran dafür verantwortlich gemacht, dass es vor allem im schiitisch geprägten Süden zu antiamerikanischen Ausschreitungen gekommen war. Es war auch eine Gelegenheit für den bekannten Iran-Falken und nationalen Sicherheitsberater John Bolton, sich für „weitreichende militärische Optionen für einen Angriff auf den Iran“ einzusetzen – ein Projekt zum Regimewechsel, das er bereits viele Jahre vor seinem Amtsantritt im Weißen Haus in der Öffentlichkeit vorangetrieben hat.
Im Pentagon weiß man, dass der Iran militärisch durchaus wehrfähig ist und nicht mit dem Irak verglichen werden kann. Boltons Kriegspläne gelten den Beamten dort als naiv, da man genau weiß, dass ein Krieg gegen den Iran militärisch nicht wirklich zu gewinnen ist und ziemlich sicher deutlich mehr kostet als der Afghanistan-Einsatz. Dieser verursachte in den letzten mehr als 17 Jahren bereits über eine Billion Dollar an Kosten.
Mit der Ernennung Boltons zum Nationalen Sicherheitsberater hat sich Trump keine große Hilfe geholt. Bereits vor einigen Tagen sorgte der neokonservative Politiker für einen Schlagabtausch mit der türkischen Regierung, weil er den von Trump angeordneten Truppenabzug aus Syrien sabotiert. Der jetzige Bericht im WSJ zeigt zudem, dass die neokonservativen Kriegstreiber in Washington (die auch in beiden Parteien zu finden sind) dazu bereit sind, einen nächsten Regime Change – und zwar auch mit militärischen Mitteln – in Angriff zu nehmen.

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