Altersheime in Portugal – Regionale Schnelle Eingreifbrigaden sollen Covid-19 Ausbrüche im Keim ersticken

Altersheim mit Covid-19 Ausbruch in Regengos de Monsaraz . Screenshot YouTube

Rui Filipe Gutschmidt – 14. September 2020

Rui Filipe Gutschmidt

In Portugal gibt es die meisten Corona-Todesfälle in Altersheimen. Trotz aller Bemühungen seitens des Gesetzgebers, sterben immer wieder ganze Gruppen von Senioren bei Covid-19 Ausbrüchen in Altersheimen. Die Regierung kündigte nun die Schaffung von „Distrikt-Schnellinterventionsbrigaden“ an. Diese sollen die Ausbrüche von Covid-19 in Pflege- und Altenheimen eindämmen und stabilisieren. Doch was wird dann?

Diese „Brigaden“ sind Teil der vom Ministerrat beschlossenen Maßnahmen, die am 15. September in Kraft treten werden. Der Ausnahmezustand, der an diesem Tag in Kraft tritt, hat nicht so schwerwiegende Maßnahmen als die, die im März die Wirtschaft Portugals in die Knie zwangen, haben aber dennoch das Potential eine zweite Welle der Pandemie einzudämmen.

Nach Angaben der Regierung bestehen diese schnellen Interventionsbrigaden zur Eindämmung und Stabilisierung von Ausbrüchen in Heimen aus Ärzten und Krankenschwestern. In Portugal starben laut dem jüngsten Bericht der Gesundheitsbehörden 1.867 Menschen bei insgesamt 63.983 bestätigten Infektionsfällen. 44.069 Menschen haben die Infektion bislang überstanden.

Die Covid-19-Pandemie hat laut einem Bericht der französischen Agentur AFP bereits mehr als 904.000 Todesfälle und fast 28 Millionen Infektionsfälle in 196 Ländern und Territorien gefordert.

Ein aktuellerer Bericht der WHO über die Zahlen findet sich hier:

29.216.069 Infektionsfälle

929.056 Todesfälle

21.004.418 geheilte Fälle

 

Todesfalle Altersheim

Die Pflege- und Altenheime, sind – nicht nur in Portugal – eine regelrechte Todesfalle für alte Menschen. In Portugal sind die Plätze für die immer älter werdenden Senioren in den staatlichen Heimen seit eh und je nicht ausreichend. Oft ist es noch die Familie, die sich um Angehörige kümmert, wenn diese sich nicht mehr selbst versorgen können.

Mickrige Renten und fehlende Ersparnisse drängen alte Menschen ohne Angehörige oder die, deren Kinder und Enkel von den Alten (aus welchem Grund auch immer) nichts wissen wollen, in staatliche oder kirchliche Einrichtungen, in denen es oft am nötigsten fehlt. Es sind „Armenhäuser wie aus einem Charles Dickens Roman“, so ein Freund von mir. Das ist leider oftmals der Fall.

Die privaten Heime sind teils Himmel, teils Hölle. Richtig gute Heime gibt es für viel Geld, wobei es dort auch keine Garantie dafür gibt, dass die Heimbewohner immer mit nötigem Respekt und Professionalität behandelt werden. Doch größtenteils ist dem so. Im Zuge der Pandemie hat es dort weniger Ausbrüche gegeben, da man alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen hat, die man für Geld bekommen kann. Schließlich sind dort vor allem gut betuchte „Klienten“ und der Ruf so einer Einrichtung darf nicht beschädigt werden.

Doch dann gibt es noch die illegalen „Heime“. Menschen mit wenig Geld, aber immerhin etwas, bringen ihre Angehörigen in Heimen unter, die oft von der Sozialversicherung nicht anerkannt werden und einfach so funktionieren. Es mag Ausnahmen geben, aber viele dieser „Altenheime“ sind so eine Art „Vorstufe zur Hölle“. Nicht selten werden die „alten Nervensägen“ dorthin abgeschoben, weil entweder die Kinder oder sie selber oder sogar beide empathielose Monster sind. Wie sie dort behandelt werden ist den Familienangehörigen bestenfalls egal, wobei manche ihre Angehörigen aus Rache für eine zerstörte Kindheit voller Misshandlungen und Missbrauchserfahrungen oder einfach nur aus Bosheit in ein möglichst schlechtes Heim stecken.

Aber es gibt eben auch Heime, die sich noch Mühe geben, mit wenig Geld den ihnen anvertrauten Menschen ein Minimum an Hygiene und Komfort zu gewährleisten. Die Covid-19-Pandemie hat vor allem diese Heime schnell an ihre Grenzen gebracht. Die Alten- und Pflegeheime in Portugal sind schon lange eine „Baustelle“ der Sozialversicherung. Jetzt wurde das ganze Ausmaß der Misere sichtbar. Die beschlossenen „Regionalen schnellen Eingreifbrigaden“ sind eine Notoperation am „Patienten Altersversorgung“. Wie die Nachbehandlung ausfallen wird, werden wir noch sehen, doch wenn die aktuelle Krise vorbei ist, bleibt zu befürchten, dass man leider wieder zur Tagesordnung übergehen wird.

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