100 Jahre Novemberrevolution in Deutschland, Teil 4

Novemberrevolution, Künstler unbekannt

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Schwankungen und Zögern

Obwohl die Volksmarinedivision den Angriff der reaktionären Reichswehrtruppen zurückgeschlagen und gesiegt hatte, räumte sie das Berliner Stadtschloss im Zentrum. Sie übergab damit einen strategisch wichtigen Punkt an die Konterrevolutionäre um SPD, Kapital und Reichswehr. Ihre Macht nutzten sie nicht, um die Ebert-Regierung abzusetzen oder dies wenigstens zu versuchen.

Diethard Möller – 6. November 2018, AmericanRebel

Ebert selbst sagte in diesen Tagen zum Reichswehrführer General Groener: „Wenn dann die Liebknecht-Gruppe die Situation benutzt, jetzt die Regierung an sich zu reißen, so kann sie niemand daran hindern.“

Auch in Stuttagrt waren im November 1918 Zehntausende auf der Straße – gegen den Krieg und Kapitalismus, für Sozialismus!

Am 25. Dezember 1918 kam es zu einer Massendemonstration in Berlin, zu der die Revolutionären Obleute aufriefen. Am 29. Dezember 1918 verließen die USPD-Führer die Ebert-Regierung. Sie hatten bis dahin zwar immer wieder gegen die Politik Eberts protestiert, aber letztlich alles ertragen und mitgemacht. Die Revolution hatten sie nie ernsthaft verteidigt oder gar vorangetrieben. Nun bestand die Gefahr, dass sie in der Arbeiterklasse, wo sie mit ihrem linken Auftreten großen Einfluss hatten, ihr Ansehen völlig verspielten. Aber auch mit dem Austritt aus dem Rat der Volksbeauftragten änderten sie ihre schwankende, zögerliche Haltung nicht. Sie hatten Angst vor einer Revolution und standen damit im Widerspruch zur Mehrheit der Mitglieder der USPD, die in vielen Kämpfen an vorderster Stelle waren. So wünschte der USPD-Führer Haase nach seiner Rücktrittserklärung Ebert und Scheidemann „den besten Erfolg bei der Lösung ihrer großen Aufgaben“. Und am 2. Januar 1919 unterzeichneten die USPDler in der preußischen Regierung einen Erlass gegen Streiks und „übertriebene Lohnforderungen“!

Dieses Verhalten erinnert stark an die Situation in der Linkspartei. An der Basis gibt es viele kämpferische, aufrechte Genossen/-innen und Kollegen/-innen, die wirklich etwas verändern wollen. In der Führung sitzen Leute, die radikale Reden schwingen, aber immer da, wo sie in einer Regierung mitmischen, entsprechend den Interessen des Kapitals mitmachen. Der Sündenfall begann mit der Regierungsbeteiligung der PDS in Berlin, nachdem die Berliner Landesbank pleite gemacht hatte und die CDU-Regierung abdanken musste. Gemeinsam mit der SPD sanierte die PDS brav die Finanzen der Landesbank, was nur möglich wurde, indem man tausende im Bereich, Kultur, Bildung und Soziales in die Arbeitslosigkeit entließ und zahlreichen Projekten in diesen Bereichen das Geld strich und sie beerdigte. Wer den Kapitalismus nicht beseitigen will, muss sich bei einer Regierungsbeteiligung auch der Macht des Kapitals unterordnen. Das war bei der USPD so, wie es heute auch bei der Linkspartei ist.
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Die Gründung der KPD

Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg war klar, dass eine revolutionäre Partei notwendig ist. Aber inmitten einer Revolution eine Partei zu gründen und aufzubauen, war ein schwieriges Werk. Am 9. November 1918 war die erste „Rote Fahne“ erschienen und musste täglich mit großem Aufwand erstellt werden. Täglich gab es dutzende Versammlungen von Komitees, Arbeiter- und Soldatenräten, Kommissionen. Man musste die bewussten Kämpfer in ganz Deutschland ansprechen, sammeln, organisieren. So wurde zum Jahresende 1918 zum Gründungsparteitag der KPD in Berlin aufgerufen und diese am 31.12.1918 gegründet. Damit war ein erster Schritt zur festen Organisierung der revolutionären Kräfte getan. Allerdings fehlte der Partei die Erfahrung, die innere Festigkeit und die Schulung im revolutionären Massenkampf.

Das Programm enthielt die richtigen politischen Forderungen und Maßnahmen, doch die KPD hatte noch nicht die Kraft, um diese umzusetzen.

In der KPD gab es verschiedene Strömungen, darunter Opportunismus und Sektierertum. Lenin widmete in seiner Schrift „Der ‚Linke Radikalismus‘, die Kinderkrankheit im Kommunismus“ der KPD mehrere Kapitel, wo er sie aufforderte, aktiv auch in rückschrittlichen Arbeiterorganisationen, in den verbürgerlichten Gewerkschaften um die Gewinnung der Mehrheit in der Arbeiterklasse zu kämpfen. Ebenso erklärte er, dass der Parlamentarismus zwar theoretisch erledigt sei, aber nicht praktisch. Dass es darum gehe, die Masse der Arbeiter, Angestellten und des Volkes zu überzeugen. Es war ein harter und langer Kampf in der KPD, um diese Kinderkrankheiten zu überwinden.

Zudem fehlte der KPD noch eine feste Verankerung in der Arbeiterklasse. Viele Arbeiter waren in der USPD organisiert. Erst 1920 verließen rund eine halbe Millionen Arbeiter die USPD und schlossen sich mit der KPD zusammen. Darunter war Ernst Thälmann, der spätere Vorsitzende der Partei. Mit diesem Zusammenschluss waren die Voraussetzungen geschaffen, um die KPD zu einer Partei mit Masseneinfluss zu entwickeln.

Ohne die Gründung der KPD, ohne ihr klares revolutionäres Programm wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen. Lenin kritisierte die oben beschriebenen Fehler der KPD, um sie voranzubringen. Denn er sah in ihr die zukünftige Führerin der deutschen Arbeiterklasse und des Volkes im Kampf gegen Krieg und Kapitalismus, für ein sozialistisches Deutschland.

Provokationen der Konterrevolution

München, Theresienwiese: Kundgebung für die Revolution,
Foto: Bundesarchiv

Am 29. Dezember 1918 rief SPD-Führer Ebert seinen Anhang zu einer Großdemonstration auf. Alle bürgerlichen Kräfte mobilisierten dafür. Sozialdemokratische Arbeiter wurden missbraucht, um gemeinsam mit dem Spießbürgertum und den Kapitalisten gegen Spartakus und die Revolution zu marschieren. Dabei wurde ein Flugblatt des „Bürgerrates von Groß-Berlin“ verteilt, in dem offen zum Mord an Liebknecht und Luxemburg aufgerufen wurde:
„Arbeiter, Soldaten! Die Weihnachtsstreiche der Spartakus-Gruppe führen direkt in den Abgrund Niemand von uns will Blut vergießen. Aber eher kann man einen tollen Hund durch Bibelsprüche kurieren, als Spartakus durch sanftes Zureden. Der rohen Gewalt dieser Verbrecherbande kann nur mit Gewalt begegnet werden. Wenn man uns niederknüppeln will, wehren wir uns unserer Haut. Das heuchlerische Geschrei der Spartakus-Leute über das ‚Blutbad‘ macht uns nicht irre an ihrer Absicht, Arbeiter gegen Arbeiter, Soldaten gegen Soldaten in den Kampf zu treiben.
> Wollt ihr Frieden? Dann sorgt Mann für Mann dafür, daß die Gewaltherrschaft der Spartakus-Leute ein Ende nimmt!

> Wollt ihr Brot? Dann sorgt, daß alle Räder sich drehen!
> Wollt ihr Freiheit? Dann macht die bewaffneten Tagediebe Liebknechts unschädlich!
> Wenn ihr einig seid, reißt die ganze Gesellschaft aus.“

Die, die Soldaten gegen Soldaten und Arbeiter gegen Arbeiter gehetzt hatten, schrieen „Haltet den Dieb!“ Sie forderten zu Gewalt und zum Ausreißen der Spartakisten auf.

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Am 4. Januar 1919 wurde Emil Eichhorn, der revolutionäre Polizeipräsident von Berlin nach tagelanger Hetze im Vorwärts und bürgerlichen Zeitungen mit haltlosen Vorwürfen von Ebert seines Amtes enthoben. Eichhorn war in der Arbeiterklasse beliebt, weil er nicht zuließ, dass die neu gebildete Sicherheitswehr gegen die Revolutionäre eingesetzt wurde. Die Empörung war riesig.

Doch das hatte Ebert einkalkuliert. Der von den SPD-Führern eingesetzte Nachfolger Eichhorns, Eugen Ernst, bestätigte gegenüber der Presse, dass man damit gerechnet hatte, dass Spartakus und die daraus neu gebildete KPD noch nicht in der Lage waren zu siegen. Man wollte sie zu einem frühen Kampfe provozieren, um einen Vorwand zu haben, gegen sie loszuschlagen.

Ebenfalls am 4. Januar 1919 ernannte Ebert Gustav Noske zum Volksbeauftragten für Heer und Marine. Noske (SPD) übernahm am 6. Januar den Oberbefehl mit den Worten: „Meinetwegen, einer muss der Bluthund werden. Ich scheue die Verantwortung nicht.“

Schon Ende Dezember hatte die Reichswehrführung insgeheim größere intakte Reichswehrverbände nach Berlin entsandt und den Entscheidungskampf gegen die Revolution vorbereitet. Noske konnte nun zum ersten Mal seit 8 Wochen wieder auf größere kampffähige reaktionäre Truppenverbände und Freikorps zurückgreifen. Und die wollte er auch benutzen, um die Revolution im Blut zu ersticken
Auf die Entlassung des revolutionären Polizeipräsidenten Emil Eichhorn reagierten die Revolutionären Obleute, die USPD und die frisch gegründete KPD mit einem Aufruf zur Demonstration:

„Zeigt den Gewalthabern von heute eure Macht, zeigt, dass der revolutionäre Geist der Novembertage in euch nicht erloschen ist.“

Hunderttausende, teilweise bewaffnete Arbeiter und Soldaten folgten diesem Aufruf am 5. Januar 1919. Unübersehbare Marschsäulen zogen durch Berlin. Das Zentrum wurde überschwemmt. Karl Liebknecht von der KPD und Georg Ledebour von der USPD begeisterten die Menschenmassen mit ihren Ansprachen.

Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg waren sich zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass die Zeit noch nicht reif für eine Machtübernahme war, da die Arbeiterbewegung gespalten, unklar und schwankend war.

Unter dem Eindruck der Massendemonstrationen wurde am Abend des 5. Januar 1919 ein provisorischer Revolutionsausschuss gewählt, in dem auch Liebknecht Mitglied war. Der Ausschuss sollte vorbereitende Schritte für eine Machtübernahme ergreifen. Der Revolutionsausschuss war zerstritten und vergeudete Zeit mit langen Sitzungen. Gleichzeitig besetzten spontan bewaffnete Arbeiter und Soldaten bürgerliche Zeitungen in Berlin, darunter den Vorwärts, um deren Hetze zu stoppen und revolutionäre Zeitungen herauszugeben.
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Die Konterrevolution und die Ermordung von Liebknecht und Luxemburg

Für Noske war das eine Gelegenheit, seine einsatzbereiten reaktionären Truppen losschlagen zu lassen. In einem Blutrausch eroberten diese eine Zeitung nach der anderen zurück. 156 Menschen wurden dabei ermordet. Hatten die reaktionären Truppen ausgebildete Offiziere, die sich in Strategie und Taktik auskannten, waren die Revolutionäre unkoordiniert, teilweise undiszipliniert und uneinig. Am 9. Januar waren die Revolutionäre geschlagen. Liebknecht und Luxemburg mussten sich verstecken. Überall in Berlin tauchten Plakate auf: „Schlagt die Juden tot! Tötet Liebknecht!“ oder „Schlagt die Führer des Spartakus tot! Tötet Liebknecht!“ Am 15. Januar 1919 wurden sie in ihrer illegalen Wohnung verhaftet. Noch am gleichen Abend wurden sie nach Misshandlungen und Folter ermordet. Wenn am 13. Januar 2019 in Berlin die Liebknecht-Luxemburg-Demonstration stattfindet, gedenken wir des 100. Todestages dieser beiden großen deutschen Kommunisten.

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, Mitbegründer der Kommunistischen Partei Deutschlands

Mit dieser Bluttat hatten die SPD-Führer Ebert, Noske und Scheidemann der Revolution das Genick gebrochen. Zwar gab es im Jahr 1919 noch viele weitere Kämpfe in ganz Deutschland, doch mit der Übernahme der Macht in Berlin und der reaktionären Reichswehr sowie den Freikorps im Rücken konnten die SPD-Führer nun Stück für Stück die revolutionären Kräfte niederringen.

Noske ließ nacheinander die revolutionären Kräfte in verschiedenen Städten und Regionen abschlachten.

Ende Januar ließ Noske die Bremer Räterepublik blutig niederschlagen. Es gab über 400 Tote.

Am 4. März begann in Berlin ein Generalstreik, zu dem die Arbeiterräte aufgerufen hatten, um die Arbeiter- und Soldatenräte zu erhalten, für eine demokratische Militärreform und Sozialisierungen. Noske setzte brutal Militär ein. Über 1200 Menschen, darunter viele Unbeteiligte, wurden ermordet. Und er ließ Berlin zum ersten Mal aus der Luft angreifen. Es waren nicht ausländische Kampfflugzeuge, sondern die Reichswehr, die die Berliner Arbeiterviertel aus der Luft angriff und wahllos Menschen ermordete. Noske erließ einen Schießbefehl, wonach jeder, der mit einer Waffe angetroffen wurde, ohne Gerichtsverfahren standrechtlich erschossen werden durfte. Das wurde von den Freikorps und der Reichswehr reichlich genutzt, um kurzen Prozess zu machen. Auch Unbewaffnete wurden ermordet und hinterher behauptet, sie hätten nach einer Waffe greifen wollen.

Dann folgten Hamburg und Sachsen-Gotha, wo die Revolution in Blut erstickt wurde.

Zum Abschluss wurde die Münchner Räterepublik mit 2.000 Ermordeten am 2. Mai erdrosselt. In Bayern trugen viele Freikorpsler bereits ein eingraviertes Hakenkreuz an ihrem Stahlhelm.

Millionen Arbeiter und Soldaten haben an dieser großartigen revolutionären Bewegung teilgenommen. Zigtausende von ihnen wurden in ganz Deutschland ermordet. Mitten in diesem Blutbad wurden die angeblich freien Wahlen zur Nationalversammlung durchgeführt und so die bürgerliche Republik mit Gewalt durchgesetzt.

Beerdigung von Rosa Luxemburg )symbolisch, weil ihr leichnam zu der Zeit noch nicht gefunden war), Karl Liebknecht und den getöteten Revolutionären des Januaraufstandes am 25. Januar 2019 in Berlin-Friedrichsfelde. Über 100.000 Menschen gaben den Revolutionären ihr letztes Geleit.
Foto: Deutsches Historisches Museum.

Was blieb?

Zwar konnte die herrschende Klasse mit Hilfe der SPD-Führer ihre Entmachtung und Enteignung verhindern. Aber sie konnte nicht alles zurückdrehen, was die Revolution in nur wenigen Tagen geschaffen hatte.

Die Revolution hatte das Frauenwahlrecht erkämpft und es blieb. In diesen Tagen wird versucht, dies als eine Errungenschaft des bürgerlichen Parlamentarismus und der SPD-Führer darzustellen. Doch diese haben den Frauen nichts geschenkt. Sie konnten es ihnen nicht mehr nehmen, nachdem die Revolution es zur Tatsache gemacht hatte. In anderen bürgerlichen Staaten dauerte es deutlich länger, bis die Frauen sich das Wahlrecht erkämpfen konnten: Z. B. in Großbritannien 1928, in Frankreich erst 1944 und in Italien erst1946.

Es blieb eine wenn auch verkrüppelte bürgerliche Demokratie. Verkrüppelt war sie, weil sie nicht konsequent mit den alten feudalen Überresten Schluss machte. So blieb die Kleinstaaterei. Bis heute haben Kinder große Probleme, wenn ihre Eltern von einem Bundesland in ein anderes umziehen, weil es kein einheitliches Bildungswesen gibt. Auch die Trennung von Kirche und Staat wurde nie wirklich vollzogen. Formal besteht sie, doch real gibt es zahlreiche Verquickungen vom staatlichen Religionsunterricht, über die Kirchensteuer und üppige staatliche Subventionen in Milliardenhöhe. Laut Spiegel sollen es rund 80 Milliarden jährlich sein!

Als billigen Ersatz für die Arbeiter- und Soldatenräte gab es die Betriebsräte, die gesetzlich an das Wohl des Betriebes gebunden sind und damit an die Interessen des Kapitals. Trotz dieser Fesseln ist die Arbeit in den Betriebsräten wichtig, um die Kollegen/-innen zu erreichen und mit ihnen gemeinsam zu kämpfen. Allerdings müssen wir uns der Fesseln bewusst sein.

Der Feudalismus wurde abgeschafft, aber nicht konsequent. So behielten Kaiser, Könige und Fürsten ihren Grundbesitz und ihr Vermögen. Teilweise bekamen sie mit Hilfe der SPD-Führer auch noch große Entschädigungen für den Thronverzicht.
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Die Konsequenzen

Aus der Novemberrevolution kann man viel lernen.

Für viele ist es erstaunlich, dass in Deutschland eine solche Revolution möglich war. Manche denken, „mit den Deutschen geht das nicht“. Doch das ist falsch. Auch in Deutschland ist eine Revolution möglich, wenn die Bedingungen dafür vorhanden sind. Das hängt nicht vom Willen der Revolutionäre ab. Wir können uns viel wünschen, entscheidend sind die breiten Massen. Durch den Krieg hatte sich eine revolutionäre Situation entwickelt, in der die Menschen nicht mehr so weitermachen wollten und konnten wie bisher. Aber auch die herrschende Klasse war am Ende und konnte nicht mehr so weitermachen. Gegenwärtig leben wir in einer nicht-revolutionären Situation. Das heißt allerdings nicht, dass man die Hände in den Schoß legen kann. Im Gegenteil! Man muss die Zeit nutzen, um sich auf eine mögliche revolutionäre Situation vorzubereiten.

Es reicht nicht, die Macht zu haben. Man muss sie auch nutzen, um die herrschende Klasse konsequent zu entmachten und zugleich eine neue, revolutionäre Macht aufzubauen. Die Arbeiter und Soldaten hatten 1918 viel Macht in ihren Händen, konnten sie aber nicht nutzen, weil sie keine Klarheit hatten, was sie damit anfangen müssen, weil sie gespalten und voller Illusionen waren. Das konnten die herrschende Klasse und die SPD-Führer nutzen.

Man braucht eine starke, in der Arbeiterklasse verankerte Kommunistische Partei als Führung. Das fehlte 1918/19. Die KPD war noch unerfahren, schwach und von inneren Widersprüchen belastet. Das fehlt aber auch heute. Die revolutionären Kräfte sind zersplittert und schwach. Zudem gibt es keine ideologische und politische Klarheit über die Aufgaben. Deshalb ist es dringend nötig, eine solche Partei zu schaffen und nicht abzuwarten. Denn eine solche Partei ist nicht vom ersten Tag an erfahren, gut organisiert. Sie muss lernen, sich entwickeln, Fehler machen und Niederlagen kassieren, um daraus wieder zu lernen. Wer diesen Prozess zu spät in Gang setzt, der kommt dann halt auch zu spät, wenn eine solche Partei notwendig ist.

 
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Quellen:

Ernst Thälmann, 9. November 1918 – die Geburtsstunde der deutschen Revolution; in Ernst Thälmann, Ausgewählte Werke Bd. 2, S. 9-15
Festschrift 1907-2007 – Internationaler Sozialisten Congress Stuttgart
Zum 53. Jahrestag der Novemberrevolution, Rote Zellen Kiel/ML, 1973
Illustrierte Geschichte der deutschen Revolution, Verlag Neue Kritik, 1970
Karl Liebknecht, Gesammelte Reden und Schriften, Bd. IX
Zur Geschichte der Kommunistischen Partei Deutschlands, Nachdruck der Originalausgabe von 1955, Red Star Press, London, 1995
Mark Jones, Am Anfang war Gewalt, 2017, Propyläen
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zum 1. Teil
zum 2. Teil
zum 3. Teil
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Erstveröffentlichung  am 4. Oktober 2018 in Arbeit-Zukunft. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers.
Bilder und Bildunterschriften wurden zum Teil von der Redaktion AmericanRebel hinzu gefügt.

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