Bemerkungen zu Aufstehen

Der 4. September 2018 könnte eine Wende in der deutschen Politik einleiten. An diesem Datum stellten bei der Bundespressekonferenz die Initiatoren dieser „Bewegung“, die Idee der breiten Öffentlichkeit vor und beantworteten die Fragen der dort versammelten Presse.

Jairo Gomez 05-09-2018 von Grazwurzel Post 

Als im Vorfeld die Idee bekannt wurde, löste sie vor allem in den sozialen Netzwerken heiße Diskussionen aus. Mitglieder aus Parteien, die dem linken Spektrum zuzuordnen sind, riefen dazu auf, eine linke Sammelbewegung zu gründen. Galionsfiguren sind unter anderem Sahra Wagenknecht, Oskar Lafontaine (Die Linken), Ludger Volmer (Grüne) und Simone Lange (SPD).

Aus den Parteien dieser Gründungsmitglieder hagelte es Kritik und tut es noch immer. Die Mainstream Medien erwecken in mir den Eindruck, dass sie noch nicht recht wissen, was sie mit diesem Unterfangen anfangen sollen, da es ja noch nicht einmal ein Programm gibt. Es bietet sich also noch kein rechtes Ziel, auf das man sich einschießen könnte. Ähnliche Bewegungen wie 15M und später die Partei Podemos in Spanien oder Momentum in Großbritannien, hatten sie ja hier ignoriert oder klein geredet. Tja, und in den Parteien fürchtet man wohl, dass ihr „Gestaltungsmonopol“ zerschlagen werden könnte.

Dies könnte allerdings nur passieren, wenn sich in dieser Bewegung keine verkrusteten und verstaubten Parteistrukturen einnisten. Nur dann kann aus diesem zarten Pflänzchen etwas Starkes erwachsen. Wagenknecht, Lafontaine und Co. bekommen von mir einen Vertrauensvorschuss, weil sie augenscheinlich den Unmut der in unserem Land nicht erst seit 2015 herrscht ernst nehmen. Sie bieten den Menschen mit „Aufstehen“ eine Plattform, auf der sie ihre Forderungen stellen können und ihre Sorgen erhöhrt werden.

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Weder christlich noch sozial

Wer sich jetzt in den etablierten Parteien echauffiert oder gar verlogene Krokodilstränen darüber vergießt, dass Menschen die Möglichkeit gegeben wird, auch außerhalb des Parlamentes Einfluss auf die Politik in unserem Land zu nehmen, dem sage ich: „Ihr Seid es selbst schuld!“. Jahrzehnte lang ist an den Menschen vorbei regiert worden. Die Geschehnisse 2015 sind nicht der Ursprung für diese Bewegung, sondern lediglich der Tropfen, der das Fass zum überlaufen gebracht haben. Die klassischen Volksparteien CDU und SPD dürften eigentlich das „C“ und das „S“ in ihrem Kürzel nicht mehr führen, weil an ihrer Politik kaum noch etwas christliches oder soziales mehr zu finden ist. Die Grünen sind kaum noch wiederzuerkennen, zum Teil aus der Friedensbewegung entstanden, haben sie seit dem Völkerrechtswidrigen Krieg gegen Jugoslawien, jeden Einsatz der Bundeswehr im Ausland mitgetragen und sind mit den anderen Parteien mitverantwortlich für Tod und Elend vieler Menschen. Den Linken und vielen linken Splittergruppen werfe ich vor, dass sie sich nicht vehement von den Gewalttaten linker Chaoten distanziert und sie geächtet haben.

Verbot von Gefühlen?

Zur aktuellen Situation im Land möchte ich folgendes bemerken: Freude, Liebe, Zorn, Sorge und Angst, sind Gefühle, die in jedem Menschen wohnen. Sie verbieten zu wollen oder zu ächten, ist lächerlich. Jeder hat ein Recht auf sie. Und doch herrscht in unserem Land eine Stimmung, in der man sehr aufpassen muss, wie man sich äußert, will man sich nicht einem Shitstorm oder schlimmeren aussetzen.

Ich sehe mich als jemand an, der links denkt. Doch habe ich es bisher in der Öffentlichkeit vermieden, über meine privaten Ängste und Sorgen zu schreiben, um einen Shitstorm gegen mich zu verhindern. Nun oute ich mich. Ich bin Vater zweier erwachsener Kinder und mache mir Sorgen um sie. Ich habe Angst davor, dass meine Tochter oder mein Sohn, Opfer einer Gewalttat werden. Natürlich konnte das vorher auch jederzeit passieren, unmöglich ist nichts. Politik, Medien und Internet haben es aber geschafft, dass diese Sorgen und Ängste im Unterbewusstsein haften bleiben.Wenn man sie nicht mehr äußern darf, dann keimt in mir die Frage auf, in welchem Land wir eigentlich leben.

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Ich wurde in einem Land geboren, das fast 800 Jahre unter muslimischen Einfluss gestanden hat. Die Rede ist von Spanien. Ich habe keinerlei Berührungsängste vor Menschen mit muslimischen Glauben. Ich mag ihre Sprache und viele Aspekte ihrer Kultur. Ich bin auch ausdrücklich dafür, dass man Menschen, die Asyl suchen, diesen auch gewähren muss. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich Bedenken habe. Genau wie es bei uns gute und schlechte Menschen gibt, gibt es sie überall auf der Welt. Wenn dann Menschen in großer Zahl aus den Mittleren und Nahen Osten oder aus Afrika zu uns kommen, kann niemand ausschließen, dass sich unter ihnen auch kriminell veranlagte Menschen befinden. Diesbezüglich Bedenken zu äußern, darf und muss erlaubt sein, ohne dass man als „rechter“ oder noch schlimmeres beschimpft wird.

In einer kaum zu übertreffenden Arroganz haben Politiker der Volksparteien solche Sorgen und Ängste ignoriert, nicht nur im Osten, sondern auch im Westen und wundert sich, dass die AfD und Bewegungen wie Pegida immer mehr Zulauf bekommen.

Doch zurück zu „Aufstehen“. Diese Bewegung hat die Chance, großen Einfluss auf die Politik in unserem Land zu nehmen und die derzeitigen Verhältnisse zu verändern. Sie hat das Potenzial dafür, ein Garant dafür zu sein, dass unser Land, ein buntes, vielfältiges und weltoffenes Land bleibt. Doch sollte berücksichtigt werden, dass eine Gesellschaft wie die unsere, komplex und vielschichtig ist. In ihr muss auch Platz für konservativ und liberal denkende Menschen sein, ansonsten wurde eine Uniformität herrschen, die bestimmt niemand haben will. Es wäre also ratsam, sich auch diesen Teilen der Gesellschaft zu öffnen.

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Zum Schluss eine Frage: Wäre es nicht eine Überlegung wert, den Zusatz „linke Sammelbewegung“ durch „humanistische Sammelbewegung zu ersetzen?

 

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